Giro di Primavera – am Comer See

Rennrad: Lugano – Porlezza – Menaggio – Argegno – Lanzo d’Intelvi – Lugano, 81.2km, 1244hm, 18.02.2019

Die Temperatur auf der Meteo-SwissApp zeigt 0.9°C. Für Zürich. 8Uhr morgens. Wie in den Tagen zuvor sollte das Quecksilber noch auf weit über 10°C ansteigen. Doch aktuell ist es frisch. Sehr frisch. Ich entschied mich dafür, noch eine Kappe anzulegen unter dem Helm. Unter dem Radhelm. Denn heute sollte meine eine Ausfahrt mit dem Rennrad erfolgen. Doch nicht Zürich war das Ziel, sondern das Tessin. Bekannt für seine frühlingshafteren Temperaturen wählte ich den südlichsten Zipfel der Schweiz für die erste längere Radtour des Jahres 2019.

Als ich gute zwei Stunden später in Lugano aus dem Zug stieg, war es wärmer. Etwas. Bei 6.4°C liess ich sowohl die Windjacke als auch die Kappe an. Erstmal einrollen. Am Nachmittag wird es dann schon noch wärmer. Also rollte ich entlang des Luganersees und versuchte mich aufzuwärmen. Meine Streckenplanung sah vor, über Porlezza bis Menaggio zum Lago die Como zu gelangen. Von dort aus weiter am Ufer des Comer Sees entlang zu radeln, bis es eine Abzweigung in Richtung des Intelvi-Tals gab, welche mich in das Hinterland des Luganersees und anschliessend zurück nach Lugano bringen sollte. Und um dies vorweg zunehmen – es war eine traumhafte Runde.

Sieht wärmer aus, als es ist – die Küste des Luganersees

Die beiden wunderschönen Seen inmitten der Berglandschaft, italienisches Lebensflair, vereinzelte Restschneefelder direkt an den Strassen, eine überschaubar herausfordernde Streckenführung. Alles, was das Radsportlerherz zu Saisonbeginn begehrt. Das Highlight der Tour war sicherlich die Mittagspause in Menaggio. Tagliatelle Bolognese, eine Flasche Aqua Minerale senza gas und ein abschliessender Espresso – draussen mit direktem Blick auf Bellagio, die Perle des Comer Sees. Ohne Touristen. So macht eine Radausfahrt Spass. Willkommen im Radjahr 2019!

Die Halbinsel des Comer Sees – in Nebel und Schatten befindet sich Touristenattraktion Bellagio

Ps.: Während der Fahrt überlegte ich mir kurz, dass dies wohl bei meiner erst zweiten Ausfahrt des Jahres der erste Auslandsbesuch sei. Doch vergass ich dabei, dass bei der ersten Runde ich von Birsfelden nach Rheinfelden und zurück über deutsches Staatsgebiet gefahren bin. Zwei Ausfahrten, zwei mal über die Grenzen der Schweizernachbarländer – 2019 wird vermutlich ein aufregendes Rennradjahr.

English summary: The thermometer only showed 0.9°C when I started my trip in Zurich. About two-and-a-half hours later, I arrived in Lugano, with 6.4°C slightly warmer. I kept head beanie and jacket on, and started cycling on the coast of Lake Lugano. In the following four hours, I explored the beautiful, Italian-styled towns on Lake Lugano and Lake Como, passed rest snow fields along the road, and collected more than 80kms with 1244m of elevation. What a start into the 2019 cycling year.

Skitour bei Grindelwald-First

Skitour: Grindelwald First – Uf Spitzen – Waldspitz – Grosse Scheidegg – Schwarzwaldalp – Grosse Scheidegg – Grindelwald, 25.7km, 541hm, 09.02./10.02.2019

Skifahren – ein Sport? Bergauf wird man transportiert. Bergab bewegt man sich auf breiten, mit viel Aufwand präparierten Pisten, ohne selbst viel Aufwand zu betreiben. Es geht ja nur bergab. Eigentlich ist Skifahren alles andere als geeignet für meinen eher Bergaufsport-orientierten Lauftrek-Blog. Eigentlich. Gäbe es da nicht die Möglichkeit des Ski-Tourings. Der entscheidende Unterschied: bei einer Skitour steigt man selber auf, bevor man die zumeist unpräparierten Hänge wieder hinabfährt. Lifte und Gondeln braucht es nicht. Pisten auch nicht. Dafür ist man “[weg] vom Rummel, [kann] die Stille der Natur geniessen und mit der Bewegung Einklang von Körper und Geist spüren.” (Tourenbeschreibung auf der Webseite von Grindelwald Sports).

Doch bevor ich das Abenteuer einer Skitour angreifen konnte und wollte, benötigte ich die entsprechenden Abfahrtsfähigkeiten im Tiefschnee. Und dafür half mein stetiges Üben an pistennahen Tiefschneeabfahrten. Meine Erfahrung konnte ich mittlerweile als ausreichend vorhanden bezeichnen, doch sollte eine weitere Komponente nicht vergessen werden. Skitouring setzt umfangreiches Wissen über die umliegende Gegend inklusive der Witterungs- und Schneebedingungen voraus. Daher wählte ich einen Kurs für meine erste Skitourerfahrung. Denn dabei konnte ich zusätzlich noch einiges über Materialkunde, Aufstiegstechnik, Kameradenrettung, Lawinenkunde und in die Tourenplanung erfahren. Und all das sollte ich mit vier Artgenossen von einem Bergführer an dem zweitägigen Ausflug gelehrt bekommen.

Tag 1, Uf Spitzen und Übernachtung im Waldspitz

Von Grindelwald-First aus präsentierte sich das Schilthorn in traumhaft weissem und Gewand

Gestartet wurde die Tour mit einem gemeinsamen Kaffee im Skirestaurant an der Bergstation Grindelwald-First. Denn jede gute Tour braucht Planung und Vorbereitung. Für uns stand der erste Theorieblock an. Was sagt der Lawinenbericht? Welche Gefahrenstufen gibt es? Wie bediene ich das Lawinenverschüttungsgerät? Welchen Einfluss haben Sonne und Wind? Mit Aussicht auf wechselhafte Bedingungen hatten wir sozusagen Glück. Denn dadurch konnten wir die verschiedenen Auswirkungen zu entdecken und zu evaluieren. Triebschnee, Altschnee, Gleitschneerisse, Bruchharschschnee – um nur einige wenige der zu beachtenden Phänomene zu benennen, die wir in den kommenden zwei Tagen zu Gesicht bekommen werden würden.

Nach der Theorie folgt bekanntlich die Praxis. Das hiess für uns, dass wir die Tourenski anschnallten. Und dies stellte vor uns eine erste Herausforderung. Jede Tourenskibindung unterscheidet sich von der normalen Abfahrtskibindung und jede Tourenskibindung kann wiederum unterschiedlich sein, was durchaus das Anziehen für einige meiner Gefährten verkomplizierte. Glücklicherweise war die Bindung meines Leihskis etwas älter, ergo sehr ähnlich zur normalen Skibindung. Ready für die erste Abfahrt. Nachdem wir die letzten Höhenmeter mit dem Skilift überwunden hatten, startete die Tour endgültig. Bei der ersten Abfahrt neben der Piste konnten wir gerade Erlerntes bereits fühlen. Bei sonnenausgesetzten Hängen spürten wir die harte Oberschicht des Schnees, die aufgrund de Schmelze und der sofortigen Bindung zur unteren Schicht entsteht; bei windausgesetzten Hängen spürten wir, dass der Schnee statt einen knappen Meter nur noch weniger Zentimeter hoch war. Natur ist spannend.

Sobald wir den Schlittelweg Faulhorn-First – im Sommer ein stark frequentierter Wanderweg – überquerten, bereiteten wir unser Material für den Aufstieg vor. Dies geschah in drei Schritten: 1) Anlegen der richtigen Kleidung für den Aufstieg, z.B. leichtere Handschuhe, eine Schicht weniger; 2) Aufziehen der Felle auf die Ski, und 3) die Bindung und die Schuhe auf Laufmodus stellen. Nach den für uns komplett neuen Vorbereitungen stärkten wir uns noch mit einer Kleinigkeit zum Essen und Trinken. Anschliessend konnten wir den Aufsteige beginnen. Das Hochgleiten auf den Ski ähnelt dem Skilanglauf, jedoch gleitet man durch den tiefen Schnee und wegen der Felle nicht so gut. Besonders anstrengend war es nicht – einzig die Technik bei spitzen Kehren sorgte für eine Herausforderung.

Schreckhorn und Finstaarhorn gut ersichtlich – für den Moment

Als wir dann nach circa 90 Minuten den Kamm von Uf Spitzen erreichten, pausierten wir kurz. Das Wetter erlaubt spektakuläre und wechselhafte Aussichten. Teilweise waren Schreckhorn und Finsteraarhorn zu sehen. Sekunden später waren sie wieder komplett in Nebel eingehüllt. Nachdem Aufstieg kommt bekanntlich das Vergnügen. Die Abfahrt. Und hier spürten wir wieder ganz deutlich die unterschiedlichen Bedingungen. Bruchharschschnee am sonnen- und windausgesetzten Hang in der Höhe, Pulver in unteren schattigen Abschnitten – auch beim Runterfahren zahlt sich Erfahrung und Kenntnisse aus. Als wir gegen 16.30Uhr die Hütte Waldspitz, unsere Übernachtungsherberge erreichten, erwartete uns noch eine Lawinenkundesession, bevor wir das gute Abendessen (Z’nacht) geniessen durften.

Tag 2, Grosse Scheidegg

Die erste Nacht in einer Berghütte ist selten sehr erholsam. Und so war es auch diese nicht. Die Höhe von über 2000m über Meer, acht Mitmenschen im selben Raum, Aussentemperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt – es gab einige Faktoren, die einen erholsamen Schlaf stören. Doch sobald man am Morgen die ersten Schritte nach draussen gesetzt hat , die Stille in der Berglandschaft zu spüren bekommt und dann das herzhafte Frühstück geniesst, ist die Müdigkeit vergessen. Um 8.30Uhr legten wir wieder die Ski an. Zuerst ging es runter. Und während ein Teil der Gruppe den Schlittelweg in Richtung Bort nahm, durfte ein Kollege und ich zusammen mit der Bergführerin durch den Wald abfahren. Der Schnee war super schön fluffig pulvrig, der Vorteil des Schattens der Bäume.

Nun ging es bergauf. Um schnell ein paar Höhenmeter zu überwinden, nahmen wir anschliessend den Sessellift bis zum Oberjoch, um von dort aus über einen kurzen Pistenabschnitt in Richtung Grosse Scheidegg zu gelangen. Für die letzten 1.5km und circa 100 Höhenmeter legten wir doch wieder die Felle an. Während des Aufstiegs übten wir noch Spitzkehren und lernten auch wie die Neigung eines Hanges zu bestimmen. Warum das wichtig ist? Erst ab 30° Hangneigung besteht die Gefahr, dass eine Lawine ausgelöst werden kann. Das sind immerhin 66% Gefälle. Wieder stellten wir fest, wie entscheidend es ist, seine Umgebung bestmöglich zu verstehen.

Rückblick während unseres Stopps zur Bestimmung der Hangneigung – eine weitere Skitourengruppe

Als wir auf der Grossen Scheidegg ankamen, wechselten wir in den Skiabfahrtmodus und wählten die Route bis zur Schwarzwaldalp. Teilweise mit längeren und langsamen Traversen, teilweise mit engen Passagen durch den Wald. Nicht immer findet man einfache Tiefschneebedingungen vor – und das ist gut so. Denn beim Skitouring gibt die Natur den Weg vor und nicht andersrum. Bei Schwaldwaldalp nahmen wir den Bus zurück bis zur Grossen Scheidegg, einen Weg der mir vom Sommer-Inferno noch einige “schlimmere” Erinnerungen hervorbrachte. Während wir die Zeit im Bus nutzten, um uns mit unserem Mittagssandwich zu verpflegen, bemerkte ich doch wie lang und teilweise steil die Strecke ist, die ich damals mit dem Rennrad bezwungen habe.

Oben auf der Scheidegg stand uns noch die lange Abfahrt bis zur Busstation Hotel Wetterhorn bevor. Sehr deutlich bemerkten wir jetzt wieder die sich ändernden Schneebedingungen. Während unterhalb der Passhöhe, sozusagen am Fusse des Wetterhorns, der Schnee pulvrig daher kam und uns fliessende Schwünge ermöglichte, verhinderte im unteren Abschnitt ein immer schwerer werdendes Etwas ein flüssiges Vorwärtskommen. Selbst in der Spur und später auf der Piste pappte der Schnee aufgrund von immer wärmer werdenden Temperaturen. Im Hotel Wetterhorn gab es bei einem gemeinsamen Kaffee noch letzte Tipps und Tricks der Bergführerin, bevor wieder jeder seinen eigenen Weg ging. Und ich bezweifle stark, dass dies meine letzte Skitour gewesen ist.

English summary: Two days ski touring – instead of ‘normal’ skiing on-piste, I decided to join a ski touring course in the area of Grindelwald-First. In addition to the uphill walking and downhill free-ride skiing, we received insightful facts on how to ascend properly, which material to use, how to evaluate the weather and snow conditions and many more. Snow- and weather-wise the conditions were changing throughout the entire tour. From sunny to cloudy and windy moments, from powder snow to breakable crust snow – all packed in two amazing and enjoyable days. Worth it.

Wieder einmal Langlauf – Kandersteg dieses Mal

Langlauf: Kandersteg – Panoramaloipe „Höh”, 24.1km, 593hm, 05.02.2019

Gantrisch, Einsiedeln und nun Kandersteg. 11,1km, 19,2km und nun 24,1km. Skating, klassisch und nun wieder Skating. Ich bin jetzt schon gespannt, wie die verschiedenen Serien fortgesetzt werden. Welches wird die nächste zu entdeckende Langlaufregion sein? Werden es mehr als 25km? Wird sich der klassische Stil oder doch das Skating durchsetzen? Fragen, die ich aktuell noch nicht beantworten kann und will. Aber gerne möchte ich über den Ausflug nach Kandersteg berichten.

In der neunwöchigen Pause zwischen den Jobs, sozusagen während meines Sabbaticals, habe ich mir das Ziel gesetzt, ein Grossteil der Grundlagenausdauer für die Wettkampfsaison 2019 zu legen. Dadurch die Radaktivitäten grösstenteils nur Indoor absolviert werden können, bietet sich Skilanglauf als ideale Abwechslung zum Laufen an. Verbunden mit der Chance, neue Gegenden zu entdecken, wollte ich zumindest einen Langlaufausflug in meiner Freizeit einplanen. Und die Wahl fiel auf Kandersteg im Berner Oberland. Da ich die umliegenden Täler Simmental, Kiental und Lauterbrunnental bereits kennenlernen durfte, konnte ich mit dem Kandertal ein neues Kapitel hinzufügen. Das Wetter spielte übrigens nur bedingt mit. Zwar zeigte sich das Dorf an dem namensgebenden Fluss Kander in seiner winterlichen, verschneiten Schönheit, jedoch blieben mir jegliche Blicke auf die umliegende Berglandschaft verwehrt.

Ausblick auf das verschneite Kandersteg – gegenüber befindet sich der zum UNESCO Welterbe gehörende Oeschninensee

Aber nun zum Sportlichen: Ich verstaute meine Sachen am Bahnhof, lieh mir entsprechendes Skating-Material aus und begab mich in die Loipe. Etwas Eingewöhnungszeit brauchte ich, bis mir wieder die Bewegungsabläufe des Skatingschritts bewusst waren. Geplante hatte ich, vor allem die 14km lange Panoramaloipe ”Höh” inklusive ihrer 377hm zu bewältigen. Doch bereits beim ersten Anstieg musste ich von dem Skating-Rhythmus in den Entenwatschen-Rhythmus wechseln. Ein Schritt nach dem anderen. Der Puls stieg. Die Sportbrille beschlug. Glücklicherweise folgt eine etwas längere Abfahrt. Erst ein paar Kilometer später gelangte ich an den eigentlichen Anstieg zur Höh. Dieser zog sich. Und forcierte mich, meine Technik zu verbessern. Denn mit dem Entenwatschenschritt inklusive intensivem Stockeinsatz verlor ich zu viel Kraft. Also weitete ich den Winkel der Ski und versuchte mit weniger Kraft und etwas mehr Gleiten zu fahren – sofern dies bei Steigungsprozenten bis 15% überhaupt ging. Doch ich fand meinen Rhythmus und erreichte nach gut einer Stunde die „Höh“ auf 1336m ü. M.

Verdiente Pause auf dem höchsten Punkt – der „Höh“ auf 1336m ü. M.

Ab dann ging es mehrheitlich nur noch bergab. Dies stellt sich bekanntlich als grösste Herausforderung dar. Denn die Kontrolle auf den langen Latten ist definitiv geringer als bei den mir doch mittlerweile sehr gut bekannten Abfahrtski. Und so fand ich mich zweimal auf dem Hosenboden wieder. Aber das gehört wohl dazu, wenn man es nur aller ein bis zwei Jahre schafft, die Langlaufski anzuschnallen. Die restlichen Kilometer waren überwiegend flach, doch bei jedem kleineren Anstieg bemerkte ich, dass ich am Anfang schon sehr viel Kraft gelassen hatte. Daher entschied ich mich nach einer kleinen Extraschleife und knapp 25km und 2:45h Laufzeit meinen Ausflug zu beenden. Ich bin jetzt schon gespannt auf das nächste Langlaufabenteuer und hoffe, meine wieder aufgewärmten Technikfähigkeiten nicht zu lang abzukühlen. Spass macht es. Und fit macht es auch.

English summary: After doing a 11k loop in Gantrisch in 2016 and a 19k loop in Einsiedeln in 2017, it was time for another cross-country skiing experience. This year, I decided to go for a 24k loop in Kandersteg, using the skating style. This allowed me a) setting some basic endurance for 2019, and b) practicing my skating technique again. This helped. After almost 2h45mins I felt comfortable on the thin skis. And it was fun, too. Ideally, I manage to go soon for another run. Otherwise, I can start from scratch again.