2017: Das Jahr des ersten Mals!

2017 ist fast vorbei und somit auch das zweite Lauftrek-Jahr. Und es war ein aufregendes Jahr. Ein Jahr, in dem ich einige Sachen zum ersten Mal gemacht, probiert und erlebt habe. Somit lässt sich das Jahr wohl am besten mit einer Auflistung „der ersten Male“ zusammenfassen:

  • Zum ersten Mal Lauftrek mit einem Logo versehen.
  • Zum ersten Mal einen Triathlon absolviert.
  • Zum ersten Mal einen Marathon gelaufen.
  • Zum ersten Mal mein eigenes Fully-Mountainbike gefahren.
  • Zum ersten Mal über 10km im Jahr geschwommen (nur die aufgezeichneten – es waren einige Kilometer mehr).
  • Zum ersten Mal über 500km im Jahr gelaufen.

Obwohl die Auflistung nach einem sehr erfolgreichen Jahr klingt, gab es auch nicht so schöne „Zum-ersten-Mal“-Erlebnisse:

  • Zum ersten Mal wurde mir ein Fahrrad gestohlen.
  • Zum ersten Mal zwei ganze Monate keine Sportaktivität auf Strava (also kein Lauf, keine Schwimmeinheit, kein Radfahrt).
  • Zum ersten Mal habe ich die 1000km-Marke beim Radfahren verpasst.

Die positiven Elemente überwiegen jedoch stark und insbesondere die Wettkämpfe werde ich nie vergessen. Während der Zürich-Triathlon mich in den Bann des besonderen Dreikampfs gezogenen hat und ich mit dem Jungfrau-Marathon in den Kreis der Marathonläufer aufgenommen wurde, fehlt das für mich grösste Highlight des Jahres in obiger Aufzählung: der Berglauf „Sierre-Zinal“. Authentisch, nicht fixiert auf eine bestimmte Länge, Bergatmosphäre von Beginn an, keine langgezogenen Asphaltstrassen, Trail pur, hoch und runter, für die Masse (wie mich) und die Profis (wie Kilian Jornet), mit bestem Ausblick auf fünf 4000er und einer unglaublichen Stimmung beim Zieleinlauf. Allein dafür hat sich der Start von Lauftrek gelohnt. Und es wird nicht der letzte dieser puristischen Bergläufe gewesen sein. 2018 kann kommen.

Laufen oder Fotopause? - Diese Entscheidung hatte ich in 2017 nicht nur bei Sierre-Zinal zu treffen
Laufen oder Fotopause? – Diese Entscheidung hatte ich in 2017 nicht nur bei Sierre-Zinal zu treffen

Noch einige Zahlen & Fakten:

  • erreichte Laufkilometer: 500km – von angestrebten 500km, bis einschliesslich 09.12.2017, einige werden noch hinzukommen
  • erreichte Radkilometer: 941km – von angestrebten 1.500km, hier ging einiges für das Laufen, Schwimmen und Tennis drauf
  • gelaufene Höhenmeter: 14.922hmmehr als 5000hm mehr als letztes Jahr (!) und ca. 3500hm mehr als mit dem Rennrad/Mountainbike diese Jahr
  • gefahrene Höhenmeter mit dem Rad: 11.430hmrespektabel
  • geschriebene Artikel auf Lauftrek: 25 inklusive diesem

Outdooraktivitäten auf den Seychellen

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag „Wandern auf den Seychellen“ betiteln. Und obwohl mich jetzt der Eine oder Andere verwundert anschauen mag, ist Wandern auf den Seychellen mehr als möglich. Die grösseren der insgesamt 113 Inseln, zu denen auch die Hauptinseln Mahé, Praslin und La Digue gehören, gelten als Granitinseln und sind somit vulkanischem Ursprungs, können daher auch mit einigen Erhebungen aufwarten. Auf Mahé ist der höchste Punkt mit dem Morne Seychellois immerhin auf 906m über Meer und liegt im gleichnamigen Nationalpark. Dennoch sind die Seychellen vor allem für wasserorientierte Outdooraktivitäten gedacht, weshalb dieser Beitrag auch beide Seiten abdecken soll.

Strände, Strände, Strände – und Schnorcheln

Strand und Schnorcheln: 01.11.2017-09.11.2017

Die Hauptattraktivität der Inseln bleiben die vielzähligen Traumstrände mit ihrem türkisfarbenen Wasser und dem puderzuckerähnlichen weissen Sand. Einer schöner als der andere. Glaubt man den verschiedenen Reiseführern und Internetblogs, so müssen mindestens 11 der 10 schönsten Strände weltweit auf den Seychellen zu finden sein. Die Strände sind zudem sehr gut zum Schnorcheln geeignet, da die Riffe in den meisten Fällen direkt vorgelagert sind. Auch wenn die meisten Riffe durch die Korallenbleiche* nicht mehr in bekannter Farbenpracht erstrahlen, die An- und Vielzahl der Fische ist nach wie vor atemberaubend – gut, das man einen Schnorchel dabei hat. 

* 1998 kam es durch das besondere Strömungsphänomen El Nino zum Anstieg der Wassertemperatur um 6°C, wodurch das Absterben vieler Korallen im Indischen Ozean verursacht wurde.

Wandern auf La Digue

Wanderung: La Digue, La Passe – La Passe, ca. 3.5km, ca. 200hm, 02.11.2017

Zurück zur Wanderung: Unser Ziel auf La Digue war es neben den Schnorchel-Abenteuern auf den Nid d’Aigle zu wandern. Der Anstieg ist ca. 2km lang, man überwindet aber dennoch fast 300hm. Bei Start in La Passe, dem Hauptort von La Digue, war der Gipfel noch komplett in Wolken eingehüllt. Wir liefen dennoch in voller Euphorie los, immerhin kann sich das Wetter nach unseren zweitägigen Erfahrungen im Stundentakt ändern. 

Noch hängt Nebeln in den Bäumen unterhalb des Nid d'Aigle, Seychellen
Noch hängt Nebel in den Bäumen unterhalb des Nid d’Aigle

Nach ein paar hunderten von Metern wurde es jedoch schlimmer – es fing an zu giessen. Wenigstens gab dies uns etwas Zeit für eine erste Fotopause. Als der Regen nachliess, stiefelten wir weiter auf der asphaltierten „Strasse“ bis zum Snack Bellevue, einem kleinen Restaurant nur 20min entfernt vom Gipfel auf ca. 200m ü. M.. Für uns eine super Gelegenheit, einen weiteren dieser erfrischenden selbstgemixten Fruchtsäfte zu uns zu nehmen und etwas zu verweilen.

Tolle Aussicht - aber die Wolkendecke zeigt schon, viel besser wird es in den nächsten Stunden nicht, Seychellen
Tolle Aussicht – aber die Wolkendecke zeigt schon, viel besser wird es in den nächsten Stunden nicht

Richtig gemütlich konnten wir es uns jedoch nicht machen. Erstens hörte es nicht auf zu regnen (und wenn dann nur für ein paar Minuten) und zweitens spürte man doch die niedrigen Temperaturen, welche mit dem Höhenunterschied kamen. Darum und weil die Sicht definitiv nicht besser wurde, entschieden wir uns entgegen eines weiteren Aufstiegs zum Nid d’Aigle und ging zurück nach La Passe, um nach einer Dusche den Tag mit einem schönen Sonnenuntergang am Strand doch nun gemütlich ausklingen zu lassen.

Wandern auf Mahé?

Obwohl Mahé wie oben beschrieben die am besten geeignete Seychellen-Insel zum Wandern ist, fiel eine Wanderung im attraktiven Morne Seychellois National Park leider wegen des Regen buchstäblich ins Wasser. Während der Wetterwechselperiode um Oktober/November kommt es öfters zu starken Regengüssen in den Bergen der Hauptinsel. Bei unseren wenigen Tagen auf Mahé waren die Berge meist umhüllt von Regenwolken. Als wir an einem Tag doch unser Glück versuchten, giesste es aus Eimern, sodass nur ein Aussichtsfoto von der Teefabrik SeyTe blieb.

Ein Gefühl für den Ausblick, der bei gutem Wetter von den Aussichtspunkten des Morne Seychellois National Park möglich wäre, Seychellen
Ein Gefühl für den Ausblick, der bei gutem Wetter im Morne Seychellois National Park möglich wäre

Wieder einmal Biken – neuerdings mit einem Fully

Mountainbike: Zürich See – Uetliberg-Trail (unterer Part) – Zürich See, 15.4km, 344hm, 30.09.2017

Mir wurde im Juni das Mountainbike gestohlen, am hellichten Tage, am Züricher Hauptbahnhof, während dem ich bei Schwyz auf den grossen Mythen gerannt bin. Ein in vieler Hinsicht schmerzhafter Verlust. Als ich  dann anfangs September in meiner Ferieneuphorie und vermutlich bereits Andrenalin befüllt wegen des damals bevorstehenden Jungfrau-Marathons in den Rad-Shop gegangen bin, wollte ich gar nicht zwingend etwas kaufen. Der Preis und die Ausstattung überzeugten mich jedoch vollends von einem neuen Mountainbike. Ähnliche Masse wie beim vorherigen Modell, jedoch etwas bessere Komponenten, ein mechanisch verstellbarer Sattel, aber vor allem dieses Mal mit Vollfederung vorne und hinten – ein „Fully“ also. 

Noch etwas Neues: Bevor ich die ersten Probefahrten in Angriff nahm, schraubte ich ausserdem  Klickpedalen an. Mit diesen sollte ich definitiv mehr Halt in technisch anspruchsvolleren Abfahrten haben, was z.B. bei Wurzel- oder Steinpassagen extrem wichtig ist. Ganz risikofrei sind solche Klickpedalen natürlich auch nicht, da man bei harten Bremsmanövern nicht die Füsse einfach von den Pedalen bekommt. Also braucht es etwas Übung – auch wenn ich bei meinem Rennvelo die „Clickies“ seit einigen Jahren fahre. Nach der Montage war ich nun endgültig bereit, mein neues Spielzeug auszuprobieren.

Eine der ersten Fahrten sollte an einem Samstagmorgen Ende September noch vor 7Uhr beginnen. Aufgrund der doch mittlerweile kürzer gewordenen Tage war es noch dunkel, als ich mich mit meinen Schuhen in die Pedale klickte. Ziel war es, lockere Anstiege hoch zu rollen und über einfache technische Bergab-Passagen sich an das neue Bike zu gewöhnen. Die Anstiege liefen natürlich super. Die fixen Schuhe an den Pedalen helfen enorm, einen effektiven und effizienten Rhythmus am Berg zu treten. Als ich dann am unteren und somit letzten Part des Uetliberg-Trails ankam, bereite ich die Abfahrt vor. Mit einem kleinen Griff unter den Sattel fuhr ich diesen nach unten, um einen besseren Schwerpunkt und mehr Flexibilität zu erhalten. Dann nahm ich die ersten Kurven in Angriff und genoss die Abfahrt. Ziemlich schnelle merkte ich die Vorteile der Klickpedalen. Volle Kontrolle über das Bike. Traumhaft. Die Hinterradfederung bietet zudem noch zusätzlichen Komfort, da jede kleinere Unebenheit auf dem Trail ohne Weiteres abgefangen wird. Irgendwann muss ich wohl eine längere Tour und Abfahrt mit diesem Fully planen.

Aber jetzt ging in Zürich erstmal die Sonne auf und ich widmete mich diesen Samstag noch andere Dinge…

Nach getaner Downhill-Arbeit mit neuem Fully konnte ich den Sonnenaufgang über dem Zürichsee geniessen
Nach getaner Downhill-Arbeit mit neuem Fully konnte ich den Sonnenaufgang über dem Zürichsee geniessen

 

Mit dem Velo durchs Dreiländereck

Nach zwei grossartigen Wettkampfläufen und unzähligen Trainingseinheiten zu Fuss war es für mich wieder einmal Zeit auf das Rad zu kommen. Die letzte Tour war einige Zeit her, die Wettervorhersage für das Wochenende in Basel war vielversprechend. Also nutzte ich Samstag und Sonntag für kurze gemütliche Ausflüge, bei dem ich neue Strecken in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland kennenlernen konnte – ein Vorteil im Dreiländereck um Basel.

Auf den Spuren der Tour de France

Radfahrt: Birsfelden – Allschwil – Hegenheim – Hagenthal – Wolschweiler – Leymen – Hofstetten-Flüh – Therwil – Birsfelden, 57.3km, 483hm, 23.09.2017

Das Besondere ist, wenn man dem Rad durch Frankreich fährt, das Gefühl auf den Strassen des Landes unterwegs zu sein, wo jährlich das grösste Radsportereignis stattfindet. Die französischen Strassenmarkierungen, der rauhe Strassenbelag, die andersfarbigen Ausschilderungen, die Dörfer mit den typischen Boulangeries und Fromageries und selbst die irgendwie anders wirkende Landschaft – obwohl man nur einen Katzensprung von der Schweiz und von Deutschland entfernt ist, fühlt man sich wie mit dem Mythos Tour de France verbunden.

Das Dorf Wolschweiler mit seinem Rathaus - dem Mairie
Das Dorf Wolschweiler mit seinem Rathaus – dem Mairie

Ich wählte wie gesagt eine einfache Strecke. Kurz nach Allschwil ging ich über die französisch-schweizer Grenze in Richtung Hegenheim, dann weiter zum Hagenthal, wo die Hauptschwierigkeit des Tages warten sollte. Denn von dort aus stieg die Strasse moderate 4% für 3.2km bergan auf einen nicht namentlich festgehaltenen Hügel. Die folgende Abfahrt nach Bettlach war das reinste Vergnügen, betrug die Geschwindigkeit auf der breit ausgebauten Strasse doch selten unter 40km/h.

Über die typischen französischen Strassen mit rauhem Asphalt geht des zurück in die Schweiz
Über die typischen französischen Strassen mit rauhem Asphalt geht des zurück in die Schweiz

Über Oltingen, Wolschweiler und Leymen gelangte ich wieder zurück in die Schweiz. Die letzte kleine Hürde auf meiner Ausfahrt erfolgte dann bereits im Land der Eidgenossen bei Hofstetten-Flüh. Doch der 1.2km Anstieg mit seinen 5% erinnerte eher an einen Abschnitt eines Frühjahrsklassikers als an eine Hochgebirgsetappe der Tour, sodass auch dieser Hügel keine wirkliche Schwierigkeit darstellte. Die Rückfahrt nach Birsfelden über Therwil, Oberwil und Bruderholz nahm ich gelassen und genoss die letzten Kilometer dieser schönen Ausfahrt am Samstagmorgen.

An der deutsch-schweizer Grenze bis Rheinfelden

Radfahrt: Birsfelden – Pratteln – Rheinfelden – Grenzach-Wyhlen – Birsfelden, 34.6km, 117hm, 24.09.2017

7:39Uhr am Sonntagmorgen: Einen kleinen Vorfrühstückssnack zu uns genommen, einen Schluck Wasser getrunken und los ging es für meine Freundin und mich mit einer morgendlichen Radtour – absichtlich ohne Berge und in überschaubarem Umfang. Nach dem ich gestern noch in Frankreich umher kurvte, war das Ziel der heutigen Etappe Deutschland.

Bei sehr frischen Temperaturen unterhalb der 10°-Grenze radelten wir los. Mit flüssigem Tritt konnten wir die morgendliche Stimmung und die Ruhe voll und ganz geniessen. Über teils verwinkelte, aber flache Velowege in den Schweizer Dörfern Muttenz, Pratteln und Augst gelangten wir nach Rheinfelden, bei der wir Innenstadt und die Rheinbrücke bewunderten, bevor wir anschliessend den Rhein und somit die Grenze überquerten. In Deutschland nun waren zwar die Radwege nicht mehr so eindeutig ausgeschildert, dafür fanden wir jedoch vor Grenzach-Wyhlen einen ausreichend breit angelegten, irgendwie traumhaften Radweg vor, der für Spaziergänge, Inline-Skaten und eben Radfahren besonders empfehlenswert ist – insbesondere um diese Uhrzeit. Schon bald sahen wir den Roche-Turm wieder und bogen kurz vor Basel Richtung Birsfelden ab.

Morgendliche Stimmung auf der altehrwürdigen Rheinbrücke in Rheinfelden
Morgendliche Stimmung auf der altehrwürdigen Rheinbrücke in Rheinfelden

Für uns lohnte sich der Frühsport auf jeden Fall. Einerseits konnten wir bereits frühmorgens auf einen erfolgreich zurückgelegte Sporteinheit zurückblicken, andererseits erwartete uns ein ergiebiges Z’Morge.

Spätsommer oder schon Winter?

Lauf: St. Moritz Suvretta, 6.6km, 309hm, 17.09.2017

Früh aufstehen, das Wetter geniessen, in den Bergen laufen. Die Jahreszeit und der Ort versprachen viel. Spätsommer im Engadin – bekannt für seine unendlichen Wanderstrecken, Mountainbiketrails, windsichere Bergseen sowie seine wunderschöne Berglandschaft. Doch etwas oberhalb von St. Moritz, immerhin auf fast 1900m über Meer, kann es auch im Spätsommer bereits schneien.

Fast endlose Wildnis - das Oberengadin hat etwas von den nordamerikanischen Rockies
Fast endlose Wildnis – das Oberengadin hat etwas von den nordamerikanischen Rockies

Und so war es auch an diesem Wochenende (Anm.: …, das ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe): Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fiel in beiden Nächten ununterbrochen bis zu 20cm Neuschnee. Die Wolken hingen entsprechend tief im Tal, die Sicht nicht die beste. Doch die Stimmung wurde nicht getrübt. Immerhin lockerte es für gewöhnlich an den Nachmittagen auf. Und durch die Wolkenlöcher lugte nicht nur die Sonne durch, sondern auch die weiss gepuderten Berggipfel des Oberengadins. Der nächste Winter hat seine ersten Vorboten also bereits gesendet.

Am Sonntagmorgen liess ich mich dann von der schlechten Sicht nicht abhalten und testete die speziellen Bedingungen bei einer Morgenlaufeinheit. Ein bisschen abenteuerlich fühlte es sich dann schon an, wenn man in einsamer Stille bei leichten Schneefall über die Berghänge oberhalb von St. Moritz läuft. Obwohl ich so zeitig am Morgen noch nicht zu Hochform auflief und eher schwer atmete, genoss ich es, auf spannenden Singletrails die ersten Spuren in den Schnee zu setzen. Aufregend. Dennoch entschied ich mich, die ursprünglich geplante Route zu ändern. Zu lang erschien sie mir – und übertreiben muss man bei diesen Bedingungen wirklich nicht.

Am Ende kam ich auf gute sechseinhalb Kilometer. Mit über 300 Höhenmetern eine ordentliche Morgensporteinheit, bei der ich auch deutlich noch die Anstrengungen vom Jungfraumarathon in den Muskeln spürte. So spurlos vorüber ging er also nicht. Erfrischend war die Runde im Oberengadin aber dennoch – bei 0°C und Schnee im Spätsommer.

Wie Puderzucker hat sich der Schnee über die Berge im Oberengadin gelegt
Wie Puderzucker hat sich der Schnee über die Berge im Oberengadin gelegt

Jungfrau-Marathon 2017: Mein erster Marathon

Lauf: Interlaken – Wilderswil – Lauterbrunnen – Wengen – Kleine Scheidegg, 42.195km, 1829hm, 09.09.2017

Marathon laufen sagt mir gar nicht so zu. Wieso kam ich also auf die Idee, mich für diesen Bergmarathon anzumelden? Die Antwort: Ich hatte mich gar nicht angemeldet. Normalerweise ist der Jungfrau-Marathon bereits im Frühjahr ausverkauft. Was war passiert? 

Ca. 4 Wochen vor dem Wettkampf – kurz nach Sierre-Zinal wohlgemerkt – teilte mir ein guter Freund mit, dass er den Inferno-Triathlon als Single-Athlet läuft und aufgrund benötigter Regenerationszeit gerne seinen Startlatz für den Jungfrau-Marathon zur Verfügung stellen würde. Ich liess mir ein paar Tage Bedenkzeit. Eigentlich mag ich Marathon nicht. Aber ein Bergmarathon über Trails im Berner Oberland, hinauf bis zur kleinen Scheidegg? Das hätte was. Und eigentlich sind es ja 25km flache, lockere Kilometer – und anschliessend wandert man sowieso nur noch die restlichen 17km bergauf. Und ich war ja in Form nach meinem famosen Knapp-über-4h-Lauf bei Sierre-Zinal. Somit hatte ich genügend Argumente gefunden und sagte zu.

Die Strecke und das Ziel bei traumhaftem Wetter am Tag vor dem Jungfrau-Marathon
Die Strecke und das Ziel bei traumhaftem Wetter am Tag vor dem Jungfrau-Marathon

Der Grossteil der Vorbereitung – neben vorherig beschriebenem Training – lag auf der mentalen Komponente. Aufgrund der Ummeldung gab mein Freund für mich eine Zielzeit von 4:30h an. Etwas sportlich, wie mir erschien. Von meiner Finalzeit von Sierre-Zinal hochgerechnet, peilte ich eher 4:45h an. Wie sollte ich das Rennen angehen? Da die erste Hälfte des Rennens fast flach ist (300hm auf 25km) setzte ich mir das Ziel, ungefähr 2h für die Strecke bis Lauterbrunnen am Fusse des Anstiegs zu brauchen. Anschliessend sollte ich mit einem 9:00min/km-Schnitt die Steigung über Wengen auf die Kleine Scheidegg  (insgesamt ca. 10%) bewältigen, um eine sehr gute Zielzeit zu erreichen. Klang machbar, wenn auch ambitioniert.

Im Startgeländer am Vortag ist der Namensgeber des Marathons deutlich zu Erkennen
Im Startgeländer am Vortag ist der Namensgeber des Marathons deutlich zu Erkennen

Dann war es so weit. Nachdem ich mir einen Tag vorher meine Startnummer im Startgelände von Interlaken geholt habe, ging es Samstag früh um 6:36Uhr mit dem Zug von Mürren in Richtung Interlaken. Schon bald trafen wir auf weitere Läuferscharen. Die Nervosität war bei allen Teilnehmern zu spüren – ein jeder diskutierte über Renneinteilung und Durchgangszeiten. Im Startgelände lief alles wesentlich professioneller ab, als bei Sierre-Zinal, was aufgrund der Teilnehmerzahl von 5000 Startern aber auch notwendig war. 

Startblock 1: Umgeben von tausenden Läufern beim 25. Jungfrau-Marathon
Startblock 1: Umgeben von tausenden Läufern beim 25. Jungfrau-Marathon

Der Startschuss fiel um 8:30Uhr, begleitet von Applaus, Alphorn-Musikanten sowie einer super Stimmung. Auch hier merkte man, dass das Event doch grösser ist, als so manch anderer Berglauf. Da meine Zielzeit mit 4:30h eher zu den schnelleren gehörte, startete ich in dem vordersten Startblock. Und meine Mitstreiter legten ein Höllentempo vor. Das wollte ich nicht mitgehen. Ich versuchte auf den ersten komplett flachen Kilometern die Kilometerzeit zwischen 4:40-4:50min zu halten. Das gelang mir sehr gut. Bei der 10km Marke dachte ich über die erste Verpflegung nach und „gönnte“ mir sowohl erste Bisse eines Sportriegels als auch ein ganzes dieser leckeren Energiegels.

Bereits kurz darauf erreichten wir das untere Lütschinental und damit begannen sowohl die Trailstrecke als auch die ersten Anstiege. Natürlich fiel es mir schwerer nun, die Kilometerzeiten unter 5:00min zu halten. Aber noch war ich gut im Rennen. Der doch immer mehr einsetzende Regen machte mir nichts aus – obwohl es spürbar kälter wurde. Beim ersten Durchlauf in Lauterbrunnen erreichten wir die Halbmarathonmarke. Die Uhr zeigte eine gute Zeit an. Knappe 1:45h für einen mittelschweren Halbmarathon, bei dem ich noch Energie im Tank hatte. Nicht schlecht. Und meine ursprüngliches Ziel, die 25km-Marke nach 2:00h Laufzeit passiert zu haben, verfehlte ich nur um wenige Minuten. Eins war zu diesem Zeitpunkt sicher, die Zielzeit von 4:30h war mehr als realistisch.

Erstes Ziel fast erreicht: mit 5:00min/km-Schnitt durch Lauterbrunnen bei Halbzeit
Erstes Ziel fast erreicht: mit 5:00min/km-Schnitt durch Lauterbrunnen bei Halbzeit

Doch was danach kam, war der Scharfrichter. Dort wo sich wirklich Spreu vom Weizen trennen sollten. Nachdem so viele Starter vor mir ein wirklich Wahnsinnstempo in den ersten flachen Kilometern zurückgelegt hatten, erhoffte ich jetzt, viele wieder überholen zu können. Doch bereits am Anfang des Anstiegs von Lauterbrunnen nach Wengen merkte ich, dass es nicht so einfach war. Im Gegenteil, vielmehr kamen Läufer hinter mir, die mich passierten. Die anfängliche Wärme am unteren Teil des Anstiegs verflog relativ schnell. Glücklich war ich nun über jeder flachere Passage, in welcher ich vom Marschier- wieder in den Laufstil wechseln konnte. Die 30km-Marke schaffte ich locker unter 3h, doch als ich anschliessend Wengen erreichte, sah ich alles andere als frisch aus.

Mehr als 31km waren da bereits gelaufen – mehr als in Sierre-Zinal. Und jetzt erreichte ich endgültig meinen Tiefpunkt. Die hintere Oberschenkelmuskulatur machte aufgrund der Kälte langsam zu. Der Körper nahm bei den Verpflegungsstationen nicht mehr genug Energie auf. Jedes Wasser oder jedes Gel, was mir gereicht wurde, fühlte sich eiskalt an. Bezeichnenderweise bevorzugten die Veranstalter wohl eher Isostar als warme Bouillon, sodass ich mich kaum aufwärmen konnte. Durch die verschiedenen Nahrungs(ergänzungs-)mittel meldete sich auch mein Magen, der mit der Verdauung nicht nachkam – kurzzeitig wurde mir etwas schlecht. Und kalt sowieso. Sollte ich tatsächlich eins dieser Massagezelte aufsuchen, und mich etwas ausruhen? 

Kilometer 34: Meine Wanderschritte fühlten sich langsam an. Nach und nach überholten mich weitere Läufer, teilweise in lockerem Laufschritt. Demotivierend. Sollte ich nicht irgendwann dieses Läuferhoch einsetzen, von dem alle Marathonisten im Schwärmen? Vermutlich gilt das nicht für einen Bergmarathon; ausserdem hiess es hier ja ab Kilometer 25 „Läufer hoch“, hoch auf die Kleine Scheidegg. Plötzlich fiel mir ein, dass ich noch eine Magnesiumampulle vorrätig hatte. Diese wirken immer besonders gut und sollten eventuell gleichzeitig die Muskulatur lockern. Das half, wenigstens etwas.

Ich fing nun an, die Kilometer rückwärts zu zählen. Die Distanzschilder hatten schon längstens von 1km- in 250m-Schritte gewechselt. Der Wald lichtete sich langsam, die Baumgrenze war erreicht. Ein gutes Zeichen, da der Scheitelpunkt unterhalb der Station Eigergletscher bei ca. 2200m lag. Die Aussicht konnten wir übrigens nicht geniessen. Der mittlerweile sich zum Single-Trail geänderte Pfad war komplett in Nebel eingehüllt. Bei Kilometer 39 konnte ich erstmalig die Menschenmassen im Zieleinlauf hören. Doch für mich und meine Leidensgenossen war es noch nicht vorbei.

Ich hatte mich zwar etwas erholt und konnte auch auf einigen Passagen wieder etwas Gas geben (insbesondere auf den technischen Abschnitten), doch dann holte mich immer wieder die Müdigkeit meiner schmerzenden Muskulatur ein. Aber wir kamen dem Ziel näher. Der höchste Punkt war erreicht. Ein kurzer schneller Abstieg, dann nochmal ein Anstieg. Der tat weh, aber das Ziel war zumindest mental in Sicht. Gesehen habe ich dieses wirklich erst auf den letzten 200m, als die Zuschauermassen den Läufern zujubelten – bei 5°C im Dauerregen. Respekt! Natürlich vor all den Läufern. Aber auch vor allen Zuschauern und Helfern, die sich über mehrere Stunden als Kilometermarken, musikalischen Bands, Verpflegungsstationisten oder einfachen Supportern um die Läufer kümmerten.

Und schliesslich habe ich auch das Ziel erreicht. Mit einer Zeit von 4:38,27h. Die 4:30h-Marke verpasst, die 4:45h-Marke unterboten. Glücklich war ich darüber. Angesehen hat man mir es noch nicht. Zu sehr hatte ich auf den letzten 11km gelitten. Der Körper vermutlich leicht unterkühlt und dehydriert, die Sachen durchnässt, die Muskulatur und Gelenke auf das äusserste beansprucht. Macht das wirklich Spass? Die anschliessende wohlverdiente Dusche und frische trockene Kleider halfen, die Stimmung zu heben. Der Blick auf Medaille, Finisher-Shirt und die grosse Tafel Schokolade konnte mir sogar ein erstes Lächeln abringen. Und ein weiterer Blick auf die anderen Läufer, die volle Zufriedenheit und Stolz ausstrahlten, sorgte auch in mir für eine gewisse Genugtuung. Marathon, Berg-Marathon, 42.195km, über 1800hm, bei epischem, nasskaltem Wetter. Geschafft!

Das sind die Erinnerungen, über die man Geschichten schreiben kann.

Im Ziel beim Jungfrau-Marathon - unterkühlt, übersäuert und mit gequältem Lächeln
Im Ziel beim Jungfrau-Marathon – unterkühlt, übersäuert und mit gequältem Lächeln

Zwischen den Rennen – Training mit Herbstbeginn

Mittlerweile ist der Berglauf Sierre-Zinal fast 4 Wochen her. Und noch immer bin ich stolz auf meine Leistung. Und noch immer spüre ich die Gänsehaut, wenn ich an die traumhafte Strecke und die Stimmung zurückdenke. Eins vorneweg: ich habe mich für einen weiteren Highlight-Lauf angemeldet. Aber das soll nicht das Thema dieses Blogbeitrags sein.

Was macht man so in der Zwischenzeit zwischen zwei Grossereignissen? Direkt nach dem Wettkampf ging es natürlich darum sich zu erholen. Ein paar kleine, möglichst kürzere Läufe, um die Muskeln zu lockern. Ein paar Schwimmeinheiten, mal im See, mal im Pool. Sowie ein paar lockere Velotouren. Doch irgendwann musste ich die Intensität und Dauer des Trainings wieder anziehen.

Zwei der Einheiten gibt es hierbei hervorzuheben: Erstens ein Lauf auf den Kamm des Uetlibergs und zweitens eine kleine Radtour im Baselbiet.

1.) Mal wieder Uetliberg

Lauf: Zürich See – Waidmattweg – Föhrenegg – Uetlikamm – Höckler – Zürich See, 12.6km, 455hm, 28.08.2017

Den Lauf auf den Uetliberg setzte ich ungefähr 2 Woche nach Sierre-Zinal an. An einem Montagabend nach der Arbeit schnürte ich die Berglaufschuhe (ich habe nur ein Paar) und machte ich mich auf, bekannte Trails wieder zu laufen – und ein paar Intervalle einzulegen. Gestartet bin ich mit einem 300m Bergsprint am kurzen Elandesanstieg des Waidmattweg. Der nächste folgte dann an der Jucheggstrasse, auch wenn nicht mehr so intensiv. Nachdem ich bei beiden Intervallen den Puls auf ca. 180 Schläge treiben konnte, wollte ich den Rest der Strecke bis zum Uetlibergkamm konstant durchlaufen. Nicht so einfach, wenn man die unzähligen Treppenstufen des Föhreneggwegs bedenkt, die bewältigt werden mussten. Doch es gelang mir – die Form schien noch da zu sein. Nach insgesamt 45min hatte ich den Kamm erreicht und ich konnte mich auf den Abstieg freuen. Seit Sierre-Zinal macht bergablaufen richtig Spass. Und bei 6:16min/km über 12.6km inklusive 455 Höhenmeter konnte ich auch mit diesem Training zufrieden sein.

2.) Herbstliche Radtour durch das Baselbiet

Rennrad: Birsfelden – Oberwil – Gempen – Seewen – Betzwil – Nunningen – Grellingen – Oberwil, – Birsfelden 69.5km, 833m, 03.09.2017

Keine Woche später verbrachte ich das Wochenende wieder einmal in der Region Basel. Eine Trainingseinheit mit dem Rennrad durch das schöne Baselbiet stand auf dem Plan, nicht mit hoher Intensität, dafür aber natürlich länger als ein 10-15km Lauf. Nach Start in Birsfelden holte ich einen guten Freund in Oberwil ab, genoss bei ihm auf der Couch einen kurzen Espresso und anschliessend radelten wir gemeinsam ins höher gelegene Baseloberbiet. Als erstes wartete der Gempen auf uns – einer unserer Lieblingsanstiege, da er aufgrund seiner Gleichmässigkeit einfach gut zum Rollen ist. Und wir rollten gut und schnell. Ich konnte meine persönliche Bestzeit am Gempen um 1:32min unterbieten. Ein guter Start in die Tour. Anschliessend liessen wir zwar die Hochschwierigkeiten aus, konnten aber wunderschöne neue Strecken entdecken und geniessen. Über Seewen, Betzwil, Nunningen und Grellingen gelangten wir auf sich durch entspannte Täler, Wälder und Felder schlängelte Wege zurück nach Oberwil. Für mich standen am Ende tatsächlich fast 70km zu Gute – eine ordentliche Trainingseinheit, vor allem mit hohen Landschaftsgenusscharakter.

Jetzt kann der nächste Wettkampf kommen…