Spätsommer oder schon Winter?

Lauf: St. Moritz Suvretta, 6.6km, 309hm, 17.09.2017

Früh aufstehen, das Wetter geniessen, in den Bergen laufen. Die Jahreszeit und der Ort versprachen viel. Spätsommer im Engadin – bekannt für seine unendlichen Wanderstrecken, Mountainbiketrails, windsichere Bergseen sowie seine wunderschöne Berglandschaft. Doch etwas oberhalb von St. Moritz, immerhin auf fast 1900m über Meer, kann es auch im Spätsommer bereits schneien.

Fast endlose Wildnis - das Oberengadin hat etwas von den nordamerikanischen Rockies
Fast endlose Wildnis – das Oberengadin hat etwas von den nordamerikanischen Rockies

Und so war es auch an diesem Wochenende (Anm.: …, das ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe): Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fiel in beiden Nächten ununterbrochen bis zu 20cm Neuschnee. Die Wolken hingen entsprechend tief im Tal, die Sicht nicht die beste. Doch die Stimmung wurde nicht getrübt. Immerhin lockerte es für gewöhnlich an den Nachmittagen auf. Und durch die Wolkenlöcher lugte nicht nur die Sonne durch, sondern auch die weiss gepuderten Berggipfel des Oberengadins. Der nächste Winter hat seine ersten Vorboten also bereits gesendet.

Am Sonntagmorgen liess ich mich dann von der schlechten Sicht nicht abhalten und testete die speziellen Bedingungen bei einer Morgenlaufeinheit. Ein bisschen abenteuerlich fühlte es sich dann schon an, wenn man in einsamer Stille bei leichten Schneefall über die Berghänge oberhalb von St. Moritz läuft. Obwohl ich so zeitig am Morgen noch nicht zu Hochform auflief und eher schwer atmete, genoss ich es, auf spannenden Singletrails die ersten Spuren in den Schnee zu setzen. Aufregend. Dennoch entschied ich mich, die ursprünglich geplante Route zu ändern. Zu lang erschien sie mir – und übertreiben muss man bei diesen Bedingungen wirklich nicht.

Am Ende kam ich auf gute sechseinhalb Kilometer. Mit über 300 Höhenmetern eine ordentliche Morgensporteinheit, bei der ich auch deutlich noch die Anstrengungen vom Jungfraumarathon in den Muskeln spürte. So spurlos vorüber ging er also nicht. Erfrischend war die Runde im Oberengadin aber dennoch – bei 0°C und Schnee im Spätsommer.

Wie Puderzucker hat sich der Schnee über die Berge im Oberengadin gelegt
Wie Puderzucker hat sich der Schnee über die Berge im Oberengadin gelegt

Jungfrau-Marathon 2017: Mein erster Marathon

Lauf: Interlaken – Wilderswil – Lauterbrunnen – Wengen – Kleine Scheidegg, 42.195km, 1829hm, 09.09.2017

Marathon laufen sagt mir gar nicht so zu. Wieso kam ich also auf die Idee, mich für diesen Bergmarathon anzumelden? Die Antwort: Ich hatte mich gar nicht angemeldet. Normalerweise ist der Jungfrau-Marathon bereits im Frühjahr ausverkauft. Was war passiert? 

Ca. 4 Wochen vor dem Wettkampf – kurz nach Sierre-Zinal wohlgemerkt – teilte mir ein guter Freund mit, dass er den Inferno-Triathlon als Single-Athlet läuft und aufgrund benötigter Regenerationszeit gerne seinen Startlatz für den Jungfrau-Marathon zur Verfügung stellen würde. Ich liess mir ein paar Tage Bedenkzeit. Eigentlich mag ich Marathon nicht. Aber ein Bergmarathon über Trails im Berner Oberland, hinauf bis zur kleinen Scheidegg? Das hätte was. Und eigentlich sind es ja 25km flache, lockere Kilometer – und anschliessend wandert man sowieso nur noch die restlichen 17km bergauf. Und ich war ja in Form nach meinem famosen Knapp-über-4h-Lauf bei Sierre-Zinal. Somit hatte ich genügend Argumente gefunden und sagte zu.

Die Strecke und das Ziel bei traumhaftem Wetter am Tag vor dem Jungfrau-Marathon
Die Strecke und das Ziel bei traumhaftem Wetter am Tag vor dem Jungfrau-Marathon

Der Grossteil der Vorbereitung – neben vorherig beschriebenem Training – lag auf der mentalen Komponente. Aufgrund der Ummeldung gab mein Freund für mich eine Zielzeit von 4:30h an. Etwas sportlich, wie mir erschien. Von meiner Finalzeit von Sierre-Zinal hochgerechnet, peilte ich eher 4:45h an. Wie sollte ich das Rennen angehen? Da die erste Hälfte des Rennens fast flach ist (300hm auf 25km) setzte ich mir das Ziel, ungefähr 2h für die Strecke bis Lauterbrunnen am Fusse des Anstiegs zu brauchen. Anschliessend sollte ich mit einem 9:00min/km-Schnitt die Steigung über Wengen auf die Kleine Scheidegg  (insgesamt ca. 10%) bewältigen, um eine sehr gute Zielzeit zu erreichen. Klang machbar, wenn auch ambitioniert.

Im Startgeländer am Vortag ist der Namensgeber des Marathons deutlich zu Erkennen
Im Startgeländer am Vortag ist der Namensgeber des Marathons deutlich zu Erkennen

Dann war es so weit. Nachdem ich mir einen Tag vorher meine Startnummer im Startgelände von Interlaken geholt habe, ging es Samstag früh um 6:36Uhr mit dem Zug von Mürren in Richtung Interlaken. Schon bald trafen wir auf weitere Läuferscharen. Die Nervosität war bei allen Teilnehmern zu spüren – ein jeder diskutierte über Renneinteilung und Durchgangszeiten. Im Startgelände lief alles wesentlich professioneller ab, als bei Sierre-Zinal, was aufgrund der Teilnehmerzahl von 5000 Startern aber auch notwendig war. 

Startblock 1: Umgeben von tausenden Läufern beim 25. Jungfrau-Marathon
Startblock 1: Umgeben von tausenden Läufern beim 25. Jungfrau-Marathon

Der Startschuss fiel um 8:30Uhr, begleitet von Applaus, Alphorn-Musikanten sowie einer super Stimmung. Auch hier merkte man, dass das Event doch grösser ist, als so manch anderer Berglauf. Da meine Zielzeit mit 4:30h eher zu den schnelleren gehörte, startete ich in dem vordersten Startblock. Und meine Mitstreiter legten ein Höllentempo vor. Das wollte ich nicht mitgehen. Ich versuchte auf den ersten komplett flachen Kilometern die Kilometerzeit zwischen 4:40-4:50min zu halten. Das gelang mir sehr gut. Bei der 10km Marke dachte ich über die erste Verpflegung nach und „gönnte“ mir sowohl erste Bisse eines Sportriegels als auch ein ganzes dieser leckeren Energiegels.

Bereits kurz darauf erreichten wir das untere Lütschinental und damit begannen sowohl die Trailstrecke als auch die ersten Anstiege. Natürlich fiel es mir schwerer nun, die Kilometerzeiten unter 5:00min zu halten. Aber noch war ich gut im Rennen. Der doch immer mehr einsetzende Regen machte mir nichts aus – obwohl es spürbar kälter wurde. Beim ersten Durchlauf in Lauterbrunnen erreichten wir die Halbmarathonmarke. Die Uhr zeigte eine gute Zeit an. Knappe 1:45h für einen mittelschweren Halbmarathon, bei dem ich noch Energie im Tank hatte. Nicht schlecht. Und meine ursprüngliches Ziel, die 25km-Marke nach 2:00h Laufzeit passiert zu haben, verfehlte ich nur um wenige Minuten. Eins war zu diesem Zeitpunkt sicher, die Zielzeit von 4:30h war mehr als realistisch.

Erstes Ziel fast erreicht: mit 5:00min/km-Schnitt durch Lauterbrunnen bei Halbzeit
Erstes Ziel fast erreicht: mit 5:00min/km-Schnitt durch Lauterbrunnen bei Halbzeit

Doch was danach kam, war der Scharfrichter. Dort wo sich wirklich Spreu vom Weizen trennen sollten. Nachdem so viele Starter vor mir ein wirklich Wahnsinnstempo in den ersten flachen Kilometern zurückgelegt hatten, erhoffte ich jetzt, viele wieder überholen zu können. Doch bereits am Anfang des Anstiegs von Lauterbrunnen nach Wengen merkte ich, dass es nicht so einfach war. Im Gegenteil, vielmehr kamen Läufer hinter mir, die mich passierten. Die anfängliche Wärme am unteren Teil des Anstiegs verflog relativ schnell. Glücklich war ich nun über jeder flachere Passage, in welcher ich vom Marschier- wieder in den Laufstil wechseln konnte. Die 30km-Marke schaffte ich locker unter 3h, doch als ich anschliessend Wengen erreichte, sah ich alles andere als frisch aus.

Mehr als 31km waren da bereits gelaufen – mehr als in Sierre-Zinal. Und jetzt erreichte ich endgültig meinen Tiefpunkt. Die hintere Oberschenkelmuskulatur machte aufgrund der Kälte langsam zu. Der Körper nahm bei den Verpflegungsstationen nicht mehr genug Energie auf. Jedes Wasser oder jedes Gel, was mir gereicht wurde, fühlte sich eiskalt an. Bezeichnenderweise bevorzugten die Veranstalter wohl eher Isostar als warme Bouillon, sodass ich mich kaum aufwärmen konnte. Durch die verschiedenen Nahrungs(ergänzungs-)mittel meldete sich auch mein Magen, der mit der Verdauung nicht nachkam – kurzzeitig wurde mir etwas schlecht. Und kalt sowieso. Sollte ich tatsächlich eins dieser Massagezelte aufsuchen, und mich etwas ausruhen? 

Kilometer 34: Meine Wanderschritte fühlten sich langsam an. Nach und nach überholten mich weitere Läufer, teilweise in lockerem Laufschritt. Demotivierend. Sollte ich nicht irgendwann dieses Läuferhoch einsetzen, von dem alle Marathonisten im Schwärmen? Vermutlich gilt das nicht für einen Bergmarathon; ausserdem hiess es hier ja ab Kilometer 25 „Läufer hoch“, hoch auf die Kleine Scheidegg. Plötzlich fiel mir ein, dass ich noch eine Magnesiumampulle vorrätig hatte. Diese wirken immer besonders gut und sollten eventuell gleichzeitig die Muskulatur lockern. Das half, wenigstens etwas.

Ich fing nun an, die Kilometer rückwärts zu zählen. Die Distanzschilder hatten schon längstens von 1km- in 250m-Schritte gewechselt. Der Wald lichtete sich langsam, die Baumgrenze war erreicht. Ein gutes Zeichen, da der Scheitelpunkt unterhalb der Station Eigergletscher bei ca. 2200m lag. Die Aussicht konnten wir übrigens nicht geniessen. Der mittlerweile sich zum Single-Trail geänderte Pfad war komplett in Nebel eingehüllt. Bei Kilometer 39 konnte ich erstmalig die Menschenmassen im Zieleinlauf hören. Doch für mich und meine Leidensgenossen war es noch nicht vorbei.

Ich hatte mich zwar etwas erholt und konnte auch auf einigen Passagen wieder etwas Gas geben (insbesondere auf den technischen Abschnitten), doch dann holte mich immer wieder die Müdigkeit meiner schmerzenden Muskulatur ein. Aber wir kamen dem Ziel näher. Der höchste Punkt war erreicht. Ein kurzer schneller Abstieg, dann nochmal ein Anstieg. Der tat weh, aber das Ziel war zumindest mental in Sicht. Gesehen habe ich dieses wirklich erst auf den letzten 200m, als die Zuschauermassen den Läufern zujubelten – bei 5°C im Dauerregen. Respekt! Natürlich vor all den Läufern. Aber auch vor allen Zuschauern und Helfern, die sich über mehrere Stunden als Kilometermarken, musikalischen Bands, Verpflegungsstationisten oder einfachen Supportern um die Läufer kümmerten.

Und schliesslich habe ich auch das Ziel erreicht. Mit einer Zeit von 4:38,27h. Die 4:30h-Marke verpasst, die 4:45h-Marke unterboten. Glücklich war ich darüber. Angesehen hat man mir es noch nicht. Zu sehr hatte ich auf den letzten 11km gelitten. Der Körper vermutlich leicht unterkühlt und dehydriert, die Sachen durchnässt, die Muskulatur und Gelenke auf das äusserste beansprucht. Macht das wirklich Spass? Die anschliessende wohlverdiente Dusche und frische trockene Kleider halfen, die Stimmung zu heben. Der Blick auf Medaille, Finisher-Shirt und die grosse Tafel Schokolade konnte mir sogar ein erstes Lächeln abringen. Und ein weiterer Blick auf die anderen Läufer, die volle Zufriedenheit und Stolz ausstrahlten, sorgte auch in mir für eine gewisse Genugtuung. Marathon, Berg-Marathon, 42.195km, über 1800hm, bei epischem, nasskaltem Wetter. Geschafft!

Das sind die Erinnerungen, über die man Geschichten schreiben kann.

Im Ziel beim Jungfrau-Marathon - unterkühlt, übersäuert und mit gequältem Lächeln
Im Ziel beim Jungfrau-Marathon – unterkühlt, übersäuert und mit gequältem Lächeln

Zwischen den Rennen – Training mit Herbstbeginn

Mittlerweile ist der Berglauf Sierre-Zinal fast 4 Wochen her. Und noch immer bin ich stolz auf meine Leistung. Und noch immer spüre ich die Gänsehaut, wenn ich an die traumhafte Strecke und die Stimmung zurückdenke. Eins vorneweg: ich habe mich für einen weiteren Highlight-Lauf angemeldet. Aber das soll nicht das Thema dieses Blogbeitrags sein.

Was macht man so in der Zwischenzeit zwischen zwei Grossereignissen? Direkt nach dem Wettkampf ging es natürlich darum sich zu erholen. Ein paar kleine, möglichst kürzere Läufe, um die Muskeln zu lockern. Ein paar Schwimmeinheiten, mal im See, mal im Pool. Sowie ein paar lockere Velotouren. Doch irgendwann musste ich die Intensität und Dauer des Trainings wieder anziehen.

Zwei der Einheiten gibt es hierbei hervorzuheben: Erstens ein Lauf auf den Kamm des Uetlibergs und zweitens eine kleine Radtour im Baselbiet.

1.) Mal wieder Uetliberg

Lauf: Zürich See – Waidmattweg – Föhrenegg – Uetlikamm – Höckler – Zürich See, 12.6km, 455hm, 28.08.2017

Den Lauf auf den Uetliberg setzte ich ungefähr 2 Woche nach Sierre-Zinal an. An einem Montagabend nach der Arbeit schnürte ich die Berglaufschuhe (ich habe nur ein Paar) und machte ich mich auf, bekannte Trails wieder zu laufen – und ein paar Intervalle einzulegen. Gestartet bin ich mit einem 300m Bergsprint am kurzen Elandesanstieg des Waidmattweg. Der nächste folgte dann an der Jucheggstrasse, auch wenn nicht mehr so intensiv. Nachdem ich bei beiden Intervallen den Puls auf ca. 180 Schläge treiben konnte, wollte ich den Rest der Strecke bis zum Uetlibergkamm konstant durchlaufen. Nicht so einfach, wenn man die unzähligen Treppenstufen des Föhreneggwegs bedenkt, die bewältigt werden mussten. Doch es gelang mir – die Form schien noch da zu sein. Nach insgesamt 45min hatte ich den Kamm erreicht und ich konnte mich auf den Abstieg freuen. Seit Sierre-Zinal macht bergablaufen richtig Spass. Und bei 6:16min/km über 12.6km inklusive 455 Höhenmeter konnte ich auch mit diesem Training zufrieden sein.

2.) Herbstliche Radtour durch das Baselbiet

Rennrad: Birsfelden – Oberwil – Gempen – Seewen – Betzwil – Nunningen – Grellingen – Oberwil, – Birsfelden 69.5km, 833m, 03.09.2017

Keine Woche später verbrachte ich das Wochenende wieder einmal in der Region Basel. Eine Trainingseinheit mit dem Rennrad durch das schöne Baselbiet stand auf dem Plan, nicht mit hoher Intensität, dafür aber natürlich länger als ein 10-15km Lauf. Nach Start in Birsfelden holte ich einen guten Freund in Oberwil ab, genoss bei ihm auf der Couch einen kurzen Espresso und anschliessend radelten wir gemeinsam ins höher gelegene Baseloberbiet. Als erstes wartete der Gempen auf uns – einer unserer Lieblingsanstiege, da er aufgrund seiner Gleichmässigkeit einfach gut zum Rollen ist. Und wir rollten gut und schnell. Ich konnte meine persönliche Bestzeit am Gempen um 1:32min unterbieten. Ein guter Start in die Tour. Anschliessend liessen wir zwar die Hochschwierigkeiten aus, konnten aber wunderschöne neue Strecken entdecken und geniessen. Über Seewen, Betzwil, Nunningen und Grellingen gelangten wir auf sich durch entspannte Täler, Wälder und Felder schlängelte Wege zurück nach Oberwil. Für mich standen am Ende tatsächlich fast 70km zu Gute – eine ordentliche Trainingseinheit, vor allem mit hohen Landschaftsgenusscharakter.

Jetzt kann der nächste Wettkampf kommen…

Sierre-Zinal 2017 – Das Rennen der fünf 4000er

Lauf: Sierre – Ponchette – Chandolin – Hotel Weisshorn – Zinal, 31km, 2200hm*, 13.08.17

Kilian Jornet, Robbie Simpson, Michelle Mayer, Laura Orgue – einige der klangvollsten Namen im Berglaufsport gaben sich die Ehre und schrieben sich für die diesjährige Austragung von Sierre-Zinal ein. So weit so gut. Vielleicht erinnert sich aber der ein oder andere Leser an die kurze Twitter-Mitteilung, in der ich mir den Berglauf Sierre-Zinal als Ziel für 2017 gesetzt hatte.

Und dieses Ziel setzte ich auch um und trug mich in die Startliste des Rennes ein, das aufgrund der langen Tradition und der hohen Teilnehmerzahl auch liebevoll als „New-York-Marathon“ des Berglaufs beschrieben wird. Der seit 1974 ausgetragene Lauf führt über 31km und 2200hm auf einen Höhenweg oberhalb des Val d’Anniviers von Sierre nach Zinal. Klingt anspruchsvoll. Doch die zusätzliche Bezeichnung als „Rennen der fünf 4000er“ versprach neben körperlichen Anstrengungen auch eine wunderschöne Aussicht.

Am Start von Sierre-Zinal mit 1300 weiteren Läufern
Am Start von Sierre-Zinal mit 1300 weiteren Läufern, ca. 3km ausserhalb von Sierre

Und so stand ich am 13.08.2017 um kurz vor 9:45Uhr gemeinsam mit den Favoriten am Start. Und mit stimmungsvoller Musik wurden wir auf die Reise geschickt. Nach ein paar hundert Metern über den Asphalt bogen wir in den eigentlichen Anstieg ein. Auf den nächsten 8km sollte es nicht mehr flacher werden. Im Gegenteil. Steigungsprozente von weit über 20% waren keine Seltenheit, an Joggen nicht zu denken. Schnelles Wandern trifft es eher. Der Puls war dennoch hoch. Und alle im mittleren Feld quälten sich. Etwas demotivierend waren die Hinweisschilder für die nächste Verpflegungsstation, die in 2km erreicht sein sollte. Jedoch mussten dafür auch zuvor gut 250-350hm erklommen werden. Trotzdem hatte ein jeder Teilnehmer, inklusive mir, noch ein kleines Lächeln auf den Lippen.

Nach der erste Anstrengung lichtete sich der Wald - und das Matterhorn wurde sichtbar
Nach der ersten längeren Anstrengung die erste Belohnung – das Matterhorn wurde sichtbar

Bald lichtete der Wald sich etwas und erstmalig konnte ich wahrnehmen, wie sich die Aussicht verändert hatte. Mittlerweile hoch oben über dem Walliser Tal sowie dem Val d’Anniviers thronend erreichten wir schliesslich Ponchette, das erste kleine Zwischenziel. 34% der finalen Laufzeit sollte geschafft sein. 1:24h** sagte die Uhr, für 1300hm gar keine schlechte Leistung. Sollte ich diese Pace halten können, bin ich schneller als meine geplante Zielzeit von 4:30h. Doch noch stieg die Strecke weiter an. Erst kurz vor Chandolin nach gut 10km kam es zu einigen flacheren Passagen. Das Motivierende, der Grossteil der Höhenmeter war geschafft. Das Demotivierende, mir stand noch ein mittelschwerer Halbmarathon bevor. Und eigentlich war ich müde.

Doch was blieb mir weiter übrig, als weiter zu laufen? Die anderen machten das ja auch. Vermutlich Verrückte, diese anderen. Aber wir (also zähle ich mich dazu) wurden schon bald mit einer immer besser werdenden Aussicht belohnt. Ab und zu hielt ich kurz für eine Fotopause. Schön diese Berge. Jetzt erkannte ich sogar die fünf 4000er, die mir versprochen wurden: Weisshorn (4506m), Zinalrothorn (4221m), Ober Gabelhorn (4073m), Matterhorn (4478m) und Dent Blanche (4357m). Dieser Blick sollte mich für die nächsten Kilometer begleiten. Genial. Mehr als genial. Und auch die Zuschauer an der Strecke sorgten dafür, dass die Freude wuchs. Insbesondere bei den Verpflegungsstationen fanden sich unglaublich viele Leute ein, die jeden einzelnen Läufer bejubelten – obwohl die Besten vermutlich vor über einer Stunde vorbeiliefen. 

Die bekannten schneeweissen Berggipfel der Walliser Alpen - das Matterhorn leider nun in Wolken
Die bekannten schneeweissen Berggipfel der Walliser Alpen – das Matterhorn leider nun in Wolken

Mein nächstes persönliches Ziel war das Hotel Weisshorn, der höchste Punkt der Strecke und dann wäre das Schlimmste geschafft. Zumindest dachte ich das, bis ich um die anschliessende nächste Kurve nach dem Hotel bog. Denn es ging weiter bergauf. In der mentalen Vorbereitung bin ich so fokussiert auf den ersten Anstieg bis Ponchette gewesen, dass ich mir die verbleibenden Kilometer nicht mehr im Detail angeschaut habe. Jeder einzelne der nächsten 100hm war sowohl psysisch als auch physisch eine Herausforderung. Irgendwie wollte ich nicht mehr weiter hoch. Locker joggen? Ja. Aber weiter aufsteigen? Davon hatte ich jetzt wirklich langsam genug. Aber glücklicherweise wurde mein innerer Wunsch erhört und schon bald ging es abwärts. Nun noch 800hm ins Tal.

Leicht abfallende und langgezogene Passagen machten jetzt wirklich Spass. Der Kilometerschnitt ging fast wieder bis auf 5min runter. Die Muskeln schmerzten leicht, aber man kam dem Ziel näher. Etwas erschreckend war jedoch, dass das Tal sich immer noch „sauweit“ unter uns befand. Mir schwante nichts Gutes – genauer gesagt, schmerzende Oberschenkelmuskulatur. Und tatsächlich wurden die Bergabpassagen jetzt technischer und steiler. Jetzt trennten sich Spreu und Weizen im Bergablaufen. Zwischen denen, die über Stock, Stein und Fels förmlich flogen, und denen, die fast bei jedem Schritt und Tritt vorsichtig und schwerfällig versuchten, die müden Beine zu stabilisieren, um nicht zu stolpern.

Ich war vermutlich irgendwo zwischendrin. Einige sprangen an mir vorbei – andere überholte ich wiederum locker und leicht. Beeindruckend muss es bei den Besten ausgesehen haben. Und denen wird die letzte Downhillpassage kurz vor Zinal sicherlich auch nichts ausgemacht haben. Mir aber schon. Während einige nochmal unheimlich Speed aufnahmen, andere stehend ihre Muskeln massierten, versuchte ich durch kleine Serpentinenkurven Druck von meinen Beinen zu nehmen. Viel half es nicht. Es schmerzte trotzdem. Eigentlich wollte ich jetzt nur noch ins Ziel. 

Doch als ich die ersten Häuser erkannte und die Zuschauer wieder mehr wurden, begriff ich langsam, dass es bald vorbei war. Und ich begriff, was ich erreicht hatte. Der Zieleinlauf durch das Spalier von Zuschauern war der reinste Genuss. Bei 4:12h lief ich mit von Adrenalin überfüllt mit positiven Emotionen ins Ziel von Sierre-Zinal ein. Fast 20min schneller als gedacht. Dass ich stolz, zufrieden, k.o., müde, aber glücklich war, muss ich sicherlich nicht schreiben. Ein unvergessliches Erlebnis!

Im Ziel in Zinal - mit schweren Muskeln und bestem Blick auf das Zinalrothorn
Im Ziel in Zinal – mit schweren Muskeln und bestem Blick auf das Zinalrothorn

Gewonnen hat bei den Herren übrigens zum fünften Mal Kilian Jornet – in 2:33,05h. Aber der Rekordhalter im Auf- und Abstieg von Matterhorn, Mont Blanc, Elbrus und sogar Mount Everest darf ca. 1:40h schneller sein als ich. Oder?

* Ich habe mal die konservative, aber offizielle Zahl angegeben. Meine mit barometrischen Höhenmesser ausgestattete Garmin Sportuhr kam sogar auf 2585hm. Macht dann aber auch nicht mehr den grossen Unterschied.

** Die Aussage in der Informationsbroschüre des Laufes, dass man bei Ponchette ungefähr ein Drittel seiner finalen Zeit erreichen würde, traf bei präzise zu. 4:12h sind genau 3x 1:24h – die Veranstalter scheinen den Lauf nicht das erste Mal durchgeführt zu haben.

Bis zur Sefinenfurgge – und noch weiter

Lauf: Mürren – Spielbodenalp – Rotstockhütte – Sefinenfurgge – (Gspaltenhornhütte), 22.1km, 1590m, 05.08.2017

… und doch nicht ganz bis zur Gspaltenhornhütte. Zu müde waren die Beine, zu müde war auch der Kopf – und irgendwie wollte ich nicht übertreiben. Somit bleibt die Gspaltenhornhütte mir vorerst noch unbekannt.

Doch vielleicht von Anfang an: Nur eine Woche nach dem spektakulären Zürich Triathlon entschieden wir uns, das Wochenende im entspannten Mürren zu verbringen. Es war Dorffest. Und auch sonst ist es immer wieder schön da. Für mich persönlich war es ebenfalls vorteilhaft, wollte ich doch eine Woche später einen weiteren traumhaften Wettkampf bestreiten. Was bietet sich da besser an, als in der Berglandschaft von Mürren etwas trainieren zu gehen.

„Zur Gspaltenhornhütte über die Sefinenfurgge und zurück“ – so lautete das sportliche, doch sehr hochgesteckte Ziel. Immerhin bin ich bisher nie weiter als bis zur Rotstockhütte gekommen. Und die liegt laut Karte ungefähr bei der Hälfte der Strecke. Also los geht es: Locker und leichtfüssig lief ich direkt in den ersten Anstieg hinein. In 20min erreichte ich die Spielbodenalp, die ich direkt links liegen liess und meinen Lauf in Richtung Bryndli fortsetzte. Jetzt wurde es steil. Über unzählige kleine Serpentinen gewann ich unheimlich schnell Höhe, und es fühlte sich noch gut an. Oben angekommen, konnte ich mich auf dem flachen Plateau bis zur Rotstockhütte etwas ausruhen. Doch irgendetwas spürte ich.

Nach einer knappen Stunde erreichte ich die Rotstockhütte, auch diese liess ich aus, da ich nicht viel Zeit verlieren wollte. Noch immer ohne Pause wählte ich den Weg zur Sefinenfurgge. Und jetzt wurde es hart. Nicht nicht bildlich, auch real. Meine Muskulatur fühlte sich nicht mehr frisch an, sodass ich auf „normales“ Wandern umstieg. Der Puls jedoch war nachwievor bei ca. 155-160 Schlägen pro Minute. Gutes Training also. Aber es wurde härter. Glücklicherweise überholte mich ein gleichgesinnter Bergläufer. Dies motivierte sehr. Erstens konnte ich mich gut an seinem Tempo orientieren (ohne es zu halten), zweitens war nicht der einzige Verrückte.

Die Uhr zeigt 1:42h als ich endlich die Sefinenfurgge erreichte – für knapp 10km bei weit über 1000hm. Und die Aussicht belohnte für all die Anstrengungen. Ich nahm etwas Nahrung zu mir, unterhielt mich mit dem anderen Läufer (ein in der Schweiz lebender Spanier) und machte einen Fehler. Nur um eine bessere Aussicht zum Fotografieren zu bekommen, wagte ich mich 20m weiter in Richtung Gspaltenhornhütte. Der Blick auf das Blümlisalpmassiv und über das Kiental war beeindruckend. Alle Mühe vergessen. Die Motivation stieg. Die Beine fühlten sich wieder frisch an. Also setzte ich mir den Rucksack wieder auf und lief doch noch weiter.

Nach einem kurzen Bergsprint wurden mir die Folgen meiner Entscheidung bewusst. Vor mir breitete sich ein langsam abfallender, weitläufiger Trail aus. Zugegeben, als Trailrunner geht einem das Herz auf. Aber wie sagte Faust so schön: „Zwei Seelen schlagen, ach! in meiner Brust…“ Jeden Höhenmeter, den ich verlor, müsste ich später wieder aufsteigen. Aber noch war ich zu euphorisiert. Mit agilen, schnellen Schritten lief ich den aufregenden Wanderweg hinunter, der teilweise mit Treppenstuffen und Seilen gesichert war. Und schliesslich musste ich einen Felsvorsprung über eine Leiter absteigen. Einfach einzigartig. Viel weiter ging es jetzt aber nicht mehr. Die Gspaltenhornhütte war immer noch nicht in Sicht. Ich brach mein Vorhaben ab. Zu müde waren die Beine, zu müde war auch der Kopf – und irgendwie wollte ich nicht übertreiben. Und somit bleibt die Gspaltenhornhütte mir noch unbekannt.

Selbstauslöserfoto kurz vor dem Wendepunkt - aber noch nicht bei der Gspaltenhornhütte
Selbstauslöserfoto kurz vor dem Wendepunkt – aber noch nicht bei der Gspaltenhornhütte

Der Rückweg wartete aber noch auf mich. Ein zweites Mal und nun zum Geniessen ging es über Leitern, Treppen und Seilen zurück zur Sefinenfurgge, zur Rotstockhütte, zur Spielbodenalp und schlussendlich zurück nach Mürren.

Sprintdistanz beim Zürich Triathlon

Triathlon: Zürich Strandbad Mythenquai – Landiwiese – Kilchberg – Hafen Enge, 0.5km/20km/5km/, 84m, 29.07.2017

Wettkämpfe in Ausdauersportarten habe ich mittlerweile nun doch einige bestritten. Stadtläufe, Bergläufe, Teilstrecken von Triathlons. Genau zählen mag ich sie nicht mehr. An die Königsdisziplin, dem Triathlon, habe ich mich jedoch als Einzelstarter noch nicht gewagt. Zu unkomfortabel fühlte ich mich im Schwimmen – nicht einmal über die sogenannte Sprintdistanz mit „nur“ 500m Schwimmanteil.

Nach mehreren besuchten Schwimmkursen während des letzten Winters konnte ich mittlerweile solide kraulen, zwar nicht schnell, aber solide. Eigentlich war jetzt die Tür offen für den ersten Triathlon. Also streichen wir das „eigentlich“ und rein ins kalte Wasser gesprungen, einfach mal die Sprintdistanz probieren. Und wo geht das besser als direkt vor der Haustür beim jährlichen Zürich Triathlon.

Die Vorbereitung

7:00Uhr, Check-in in die Wechselzone: Das Rennrad wurde bei Startnummer 1466 bereitgestellt. Daneben ein Handtuch mit den Rennradschuhen sowie den Laufschuhen. Dazu kamen Handtuch, Velo- bzw. Renntrikot, Startnummer, Sonnenbrille, Helm sowie etwas Trinken und Essen. Und zwar in der Reihenfolge, wie es am effizientesten bei den späteren Wechseln funktionieren sollte.

7:45Uhr, kurz vor dem Schwimmstart: Entgegen der Entscheidung vieler anderer wählte ich den Neoprenanzug. Das Ausziehen beim ersten Wechsel würde mir zwar etwas Zeit kosten, dafür gewinne ich durch den Neo an Wassergefühl und Sicherheit beim Schwimmen selber. Das hilft dem Körper als auch dem Kopf. Die Aufregung steigt.

Das Rennen

8:00Uhr, Startschuss (0.5km): Es ist schon ein cooles Gefühl, wenn hunderte Schwimmer in den Zürichsee stürmen, sobald der Startschuss erklingt. Natürlich habe ich mich in den hinteren Reihen eingeordnet. Immerhin benötigen die besten Schwimmer nur knapp die Hälfte meiner anvisierten Zeit. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal zusätzlich etwas ausserhalb der Meute starten. Zu häufig bin ich vor mir jemanden in die Füsse geschwommen oder jemand hat mich an meinen eigenen berührt. An ein rhythmisches Kraulen war nicht zu denken. Doch das Zwischenziel kam trotz des ständigen Wechsels zwischen Brust- und Kraulstil immer näher.

Ca. 8:15Uhr, Wechsel auf das Rennrad (20km): Geschafft! Nun raus aus dem Wasser. Die ersten Schritte fühlten sich seltsam an, bevor ich anschliessend langsam meinen Neoprenanzug abstreifte. Dann schnell zu meinem Rennrad, auf das Handtuch gesetzt, Neo ausgezogen, Socken an, Schuhe an, Trikot an, Brille an, Helm auf und zugemacht. Und weiter geht es. Nach dem Verlassen der Wechselzone habe ich mich auf mein Velo geschwungen und bin losgetreten. Das Ziel war jetzt, mit möglichst hoher Trittfrequenz ein gleichmässiges Tempo vorzulegen und sich langsam steigern. Die Strecke war platteben und durch die zahlreichen Starter (zu der ab der zweiten Runde auch die Junioren/Juniorinnen und Frauen dazustiessen) genoss jeder Teilnehmer zumindest etwas Windschatten – auch wenn dies offiziell verboten war. Mein Plan ging schlussendlich auf. Ohne auf der letzten Rille zu fahren, brauchte ich für die 20km etwas mehr als 30min und kam auf die angepeilte Durchschnittsgeschwindigkeit von über 35km/h.

Ca. 8:50Uhr, Wechsel auf die Laufstrecke (5km): Die ersten Schritte müssen ulkig ausgesehen haben, nachdem ich vom Velo abgesprungen bin. Gewohnt von der hohen Trittfrequenz haben meine Knie haben förmlich aneinander geschlagen. Gestürzt bin ich glücklicherweise nicht und den Wechsel in die Laufschuhe konnte ich schnell vollziehen. Die 5km waren relativ unspektakulär. Die bisherigen Anstrengungen, die ich bis dahin nicht so stark gespürt habe, merkte ich aber jetzt doch deutlich. Ich zählte die Kilometer, holte noch einige Läufer vor mir ein und nach knapp über 20min bog ich auf die Zielgerade ein.

Ca. 9:14Uhr, Zieleinlauf: Froh bin ich schon gewesen, als ich schliesslich das Ziel erreichte. Viel Energie hatte ich nicht mehr im Tank, sodass ich nicht zum berühmt berüchtigten Zielsprint ansetzte. Schlimm war das nicht. Mit einer Zeit von 1:14,06 überquerte ich die Ziellinie an 46. Position in meiner Altersklasse (20-34 Jahre) – von 117. Das ist ok, wenn man bedenkt, dass ich nach dem Schwimmen unter ferner Liefen und als einer der langsameren gewechselt habe.

Das Fazit

Viel wichtiger als die Platzierung: Es hat unheimlich viel Spass gemacht. Der Disziplinenwechsel sorgt nicht nur für Abwechslung bei den Sportarten selber, sondern bringt durch den Wechsel selber eine weitere, insbesondere mentale Komponente ins Spiel. Was ziehe ich für welche Disziplin an? Was brauche ich zuerst? Wo lege ich mir Essen und Trinken bereit? – all das muss bedacht und geplant werden. Cool. Es wird vermutlich nicht der letzte Triathlon gewesen sein.

Erster Triathlon gemeistert - entspannt kann ich nun weiteren Startern zu schauen
Erster Triathlon gemeistert – entspannt kann ich nun weiteren Startern zu schauen

Vom Jungfraujoch zur Mönchsjochhütte

Wanderung: Jungfraujoch – Mönchsjochhütte – Jungfraujoch, 4km, 320m, 16.07.2017

Es gibt Wanderungen und es gibt Wanderungen. Solche und solche. Solche, bei denen man über idyllische Wiesen und Wälder durch die Berge wandert, mit stetigem Blick auf die umliegenden Bergriesen. Und solche, bei denen man direkt bei den Bergriesen durch eine Welt aus Schnee und Eis stiefelt, bei ungemütlichem Wind und Wetter, auf Höhen über 3000m. Und selten liegen diese beiden Welten so nah beieinander wie im Berner Oberland. An einem Tag (Samstag) noch eine typische Mürrener Panoramawanderung über das Alpdreigestirn Spilboden-, Schilt- und Suppenalp. Am nächsten Tag inmitten der wilden Welt aus Schnee und Eis inmitten des berühmten Bergdreigestirns Eiger, Mönch und Jungfrau (Sonntag).
 
Und möglich macht das die seit 1923 existierende Bahn auf das Jungfraujoch, welche ich mit Freundin und Familie in Angriff nahm, um anschliessend bis zur Mönchsjochhütte zu wandern. Nicht so spektakulär und lang wie letztes Jahr bei der Tour der „Berner Haute Route“, aber dennoch aufregend. Nach pünktlicher Ankunft um 9:05Uhr auf dem 3554m Jungfraujoch starteten wir unsere Wanderung zur Mönchsjochhütte für ein vorgezogenes Mittagessen.
 
Blick über den Jungfraufirn auf das in Wolken gehüllte Aletschhorn - auf dem Weg vom Jungfraujoch zur Mönchsjochhütte
Blick über den Jungfraufirn auf das in Wolken gehüllte Aletschhorn
Obwohl mit Blau als Gletscherroute markiert, ist der mit einem Radtruck präparierte Weg fast eben und ohne grössere Schwierigkeiten begehbar. Natürlich immer gutes Wetter, sprich Trockenheit und ausreichend Sicht vorausgesetzt. Apropos Wetter: Das noch am Vortag angekündigte Kaiserwetter wollte sich doch nicht durchsetzen und so zogen vereinzelte dickere Wolken durch, die uns etwas die Aussicht beraubten. 
 
Das soll aber der Sympathie für und Freude über diese Welt aus Schnee und Eis nicht trüben. Nach einer knappen Stunde erreichten wir die Mönchsjochhütte. Und es ist schon etwas besonderes, sein Z’Mittag auf 3650m über Meer einzunehmen. Der Menschenschlag in der Hütte ist übrigens gemischt. Natürlich sagten viele der Gletscherwanderer und Bergsteiger „Grüezi“, jedoch befanden sich auch einige Turnschuhträger unter den Gästen. Nachvollziehbar, wenn man die Touristenmassen sieht, die täglich auf das Jungfraujoch strömen. Von denen können natürlich auch einige das Schild lesen „Mönchsjochhütte, 45min“. Dass sie ohne richtiges Schuhmaterial doch ziemlich nasse Füsse bekommen, steht natürlich nicht angeschrieben. 
 
Und das ganze Ausmass des Touri-Ziels bemerkten wir erst bei der Rückkehr zum Joch. Ein Mischmasch aus Chinesen, Japanern, Indern und weiteren Asiaten. Nur der guten und erfahrenen Organisation der Mitarbeiter der Jungfraubahn haben wir es zu verdanken, dass wir geordnet zurück wieder in die heile Bergwelt des Lauterbrunnentals gelangten.
 
Der grösste Eisstrom der Alpen, der Aletschgletscher, vom Jungfraujoch
Der grösste Eisstrom der Alpen, der Aletschgletscher