Trailrun auf den Grossen Mythen – eher Trail als Run

Lauf: Schwyz – Holzegg – Grosse Mythen – Holzegg – Haggenegg – Schwyz, 22.2km, 1670hm, 18.06.2017

Ein Wochenende „frei“. Nach unzähligen Wochenenden, die mit Tennisinterclubmatches, Familienreisen, Hochzeiten oder anderen Festanlässen belegt waren, konnte ich mich am 17. und 18.06. (fast) ausschliesslich auf sportliche Aktivitäten konzentrieren. Nachdem ich Samstag doch auch dazu genutzt habe, die Wohnung etwas aufzuräumen sowie an einem weiteren Geburtstagsfest teilzunehmen, fokussierte ich mich Sonntag ganz auf den Sportausflug. Ich wählte die Aktivität des Berglaufs, verenglischt auch „Trailrun“ – sozusagen die puristischste der Lauftrek-Sportarten.

Doch welcher Berg sollt es sein? Oder doch besser nur ein Höhenweg? Mit oder ohne Bergbahn? Wie schwierig? Wie steil? Wie viele Touristen? Wie komme ich da hin? Nach einer spannenden Phase der Evaluation entschied ich mich für den „Grossen Mythen“, einen Berg unweit von Schwyz und des Vierwaldtstätter Sees. Ohne Seilbahn. Steil. Technisch anspruchsvoll. Und vielleicht doch mit ein paar Touristen. Aber gut von Zürich mit dem Zug erreichbar. 

Der Grosse Mythen (rechts) und sein "kleiner Bruder" (links)
Der Grosse Mythen (rechts) und sein „kleiner Bruder“ (links)

In Schwyz angekommen kontrollierte ich die Ausrüstung. Der Rucksack war halb gefüllt mit etwas zu trinken, ein paar Riegel zum Essen, Wechselklammotten und natürlich der Fotokamera. Ich folgte den gelben Wanderwegschildern Richtung Gipfel und hatte mich schnell eingelaufen – und auch verlaufen. Anstatt die Abzweigung zum Holzegg zu nehmen, bewegte ich mich erst durch die Wohnausläufer der Stadt bevor ich wieder auf den eigentlichen Wanderweg kam. Aufgrund der doch schon beachtlichen Höhenmeter als auch der bereits hochstehende Sonne (es war 10.30Uhr morgens) war es jetzt bereits eine schweisstreibende Angelegenheit. Angenehmer wurde es, als ich den schattigen Waldwanderweg endlich gefunden habe – auch wenn aufgrund der Steilheit ans Rennen nicht mehr zu denken war. 

Nach ca. 75min und bewältigten 800hm erreichte ich Holzegg und nahm mir ein paar Minuten für eine erste kurze Verpflegungspause. Alleine war ich übrigens nicht. Durch die Seilbahn, die aus Brunni hier oben ankommt, haben sich doch einige „Touristen“ an diesen schönen Ausflugsort verirrt. Und einige nahmen auch den Aufstieg zum Grossen Mythen in Angriff. Dieser war übrigens sehr beeindruckend. Ziemlich steil an der Felswand entlang schlängelte sich ein kleiner Pfad über 47 Wanderserpentinen bis zum Gipfel hoch – teilweise mit Drahtseilen und Halterungen gesichert. Ans Rennen war nun gar nicht mehr zu denken, wäre aber auch nicht besonders effektiv. Und sowieso, bei zügigem Wandern befand sich mein Puls bereits jenseits der 160 Schläge pro Minute.

Es dauert keine 45min bis ich den Gipfel auf 1898m erreichte. Und ja, ich war nicht der einzige, aber der Ausblick war überwältigend. Da der Gipfel ähnlich – und der Vergleich hinkt natürlich – des Matterhorns allein stehend ist, bekommt man ein volles 360°-Panorama mit bekannten Schweizer Gipfeln wie Titlis, Pilatus oder Rigi geboten. Gleichzeitig kann man vielzählige Schweizer Bergseen entdecken. Neben dem Vierwaldtstättersee, der sich zu meinen Füssen ausbreitete, erspähte ich noch Sihlsee, Lauerzersee, Zugersee und Aegerisee. Und eine Hütte gab es hier oben auch – schön!

Ausblick vom Gipfel Richtung Schwyz und Vierwaldtstättersee
Ausblick vom Gipfel Richtung Schwyz und Vierwaldtstättersee

Der Abstieg war natürlich Trailrun-Freude pur, wenn auch intensiv für die Muskulatur. Zurück in Holzegg nahm ich anschliessend über den nördlich gelegenen Haggenegg den Rückweg auf. Schöne gleichmässige Waldpfade sorgten jetzt für ein angenehmeres Joggen, obwohl die Beine schwerer und schwerer wurden. Der Abstieg von Haggenegg nach Schwyz zog sich doch länger als ursprünglich gedacht. Und obwohl ich auf den letzten Kilometern in Schwyz selber nochmals den Turbo anwarf, verpasste ich leider den Direktzug nach Zürich um 3min. Etwas ärgerlich nach über 22km Trailrun und fast 4h Laufzeit. Somit blieb aber wenigstens etwas Zeit für einen leckeren Snack und etwas Eistee zur verdienten Erfrischung.