Stockhorn Halbmarathon

Lauf: Oberwil im Simmental – Stockhorn, 21.1km, 1724hm, 21.07.2018 (scroll down for English summary)

Nach einer Woche Trainingslager in Zernez war es an der Zeit, die Form zu testen. Glücklicherweise finden zahlreiche interessante Bergläufe zu dieser Jahreszeit in den Schweizer Alpen statt, es mussten also nur noch Distanz, Höhenmeter und Datum passen. Mit dem Stockhorn Halbmarathon im Simmental stand nur eine Woche nach Zernez die passende Veranstaltung auf dem Programm. Perfekt. Und es wurde noch perfekter, da ein guter Freund – der übrigens den Lauf auch vorschlug – mitlief. Das hiess, dass wir zusammen die 21.1km mit insgesamt 1724m Auf- und 371m Abstieg bei mittelmässigem Wetter in Angriff nahmen.

Und dieses Rennen bestritten wir im wahrsten Sinne zusammen. Da das Profil der Strecke wie eine Exponentialkurve stetig nach oben stieg – entsprechend mit dem steilsten Abschnitt auf den letzten 2.5km – liefen wir gemeinsam in gleichem und gleichmässigen Tempo los. Bis auf wenige Abschnitte verlief die Strecke anfangs vor allem auf Asphaltbelag, was aber aufgrund der nassen Witterung angenehm war. Die ersten Trailpassagen, die mit gutem Tempo gelaufen werden konnten, erforderten bereits höchste Konzentration, um ein Wegrutschen auf einem der glitschigen Steine zu vermeiden.

Angenehme Lauftemperaturen im Simmental, aber leider etwas Regen
Angenehme Lauftemperaturen im Simmental, aber leider auch etwas Regen

Nachdem wir nach ca. 15km Länge erst gut 900hm zurückgelegt hatten, wurde uns bewusst, was uns noch bevorstand. Auf den nächsten, steileren Trailpassagen legten wir zwar bereits einige der restlichen 800hm zurück. Der sprichwörtliche Hammer erfolgte dann aber ab dem Oberstocksee. Auf einem wohlgemerkt sehr schönen Singletrail überwanden wir auf den letzten 2.5km nochmal 500hm. Der steilste Abschnitt! An Joggen war längst nicht mehr zu denken und wir entschieden auch, dass jeder von nun an sein eigenes Tempo läuft bzw. geht. Am Ende kamen wir nach gut zweieinhalb Stunden erschöpft, aber zufrieden auf dem 2190m hohen Stockhorn an. Die Aussicht konnten wir nicht geniessen, da sie durch den Nebel schlichtweg nicht vorhanden war. Dafür durften wir uns in einem alten Schachttunnel bei kühlen Temperaturen wohlverdient trockene und wärmere Sachen anziehen. Das tat gut. In dem Sinne trifft die Beschreibung auf dem Stolleneingang zu: Glück auf! Der Stockhorn Halbmarathon ist sehr zu empfehlen und der Formaufbau stimmt.

Vom Ziel oben sehen die letzten 2.5km nur halb so schlimm aus
Vom Ziel oben auf dem Stockhorn sehen die letzten 2.5km nur halb so schlimm aus

English summary: After my trainings week in Zernez, it was time to test my form in a proper race. And luckily, there are multiple options to chose from in the Swiss Alps. As a friend of mine suggest to run the Stockhorn half marathon with 1724m of elevation, I soon accepted this challenge since it was only one week after my holidays in Zernez. The course know only one direction which has uphill. We decided to run most of the time together, only in the steepest final 2.5km we got separated. Everyone had to suffer by himself. But in the end we were both very content reaching the finish line in slightly more than two and a half hours. 

5. Etappe: Ofenpass am Morgen

Radfahrt: Zernez – Passo dal Fuorn / Ofenpass – Zernez, 44.0km, 1016hm, 15.07.2018 (scroll down for English summary)

Finale am Sonntag. Am letzte Ferientag, der gleichzeitig auch Rückreisetag ist. Ein grosser Lauf oder eine grosse Radtour zum Abschluss? Dazu noch sich anschliessend frisch machen, umziehen, auschecken, den Zug zurück nach Zürich nehmen sowie mental auf die nächste Arbeitswoche vorbereiten. Auch ich kam sehr schnell zu der Einschätzung, dass eine grosse Abschlusstour weder zu Fuss noch mit dem Rennrad sinnvoll ist. Daher entschied ich mich zwei Ziele anzugehen, die meines Erachtens noch zur Perfektion der Tage in Zernez fehlten. 

  1. Eine zweite Velotour: So sensationell die Tour am Stelvio gewesen ist, mein Rennrad für lappige 56km durch die halbe Schweiz transportiert zu haben, erschien mir doch etwas fragwürdig. Daher sollte es noch eine Velotour sein.
  2. Der Ofenpass: Nach dem ich die einzige (Pass-)Strasse des Nationalparks so oft mit dem Bus abgefahren bin, wollte ich diese unbedingt noch mit dem Rennrad bezwingen.

Um beide Ziele zu erreichen und dabei nicht zu spät zurück zu sein, entschied ich mich dafür, bereits kurz nach 6.00Uhr morgens aufzubrechen – sonntags. Ohne Frühstück machte ich mich auf den Weg. Die Strasse stieg schon bald auf über 8% an. Der Vorteil der frühen Uhrzeit ist sicherlich der wenige Verkehr. Der Nachteil ist, dass der Körper noch nicht zu Höchstleistungen bereit ist. Das muss aber auch nicht immer sein. Und so kurbelte ich gemütlich den Berg hinauf, hinein bis in den Nationalpark. Von Ova Spin bis zur Punt la Drossa erfolgte eine längere Abfahrt von ca. 5km. Während mich jetzt vor allem der kalte Fahrtwind neckte, sollte es auf dem Rückweg die unnötige (wenn auch angenehme) Gegensteigung in einer langen Abfahrt sein.

Ab der Punt la Drossa, bei welchem der Tunnel nach Livigno (Italien) abzweigt, stieg die Strasse wieder stetig an, wenn auch mit moderaten Steigungsprozenten. Nach fast eineinhalb Stunden erreichte ich um 7:35Uhr den 2149m hohen Ofenpass mit 22km und 850hm in den Beinen. Ein paar Erinnerungsfotos gemacht, etwas Nahrung zu mir genommen, die Windjacke angelegt – und es ging wieder den gleichen Weg zurück. Die Abfahrt machte auf der breiten, wenig kurvenreichen Strasse sehr viel Spass. Selbst die Gegensteigung konnte mir diesen nicht verderben. Im Gegenteil. Sie spendete mir sogar Wärme in der kühlen Morgenluft, da ich wieder in die Pedale treten musste. 

Ein perfekter sportlicher Abschluss einer aufregenden Woche - am Ofenpass
Ein perfekter sportlicher Abschluss einer aufregenden Woche – am Ofenpass

Nach einem kräftigen Frühstück in der Unterkunft trat ich die Heimreise an. Neben meinen Sachen nahm ich Folgendes mit zurück:

  • 3 Bergläufe über insgesamt 8:09h, mit 49.3km und 3068hm (entspricht ungefähr den Eckdaten des Ultraks Matterhorn)
  • 2 Radtouren über insgesamt 5:53h, mit 103.6km und 2862hm (inkl. der Überfahrung des Stelvios)
  • 1 Wanderung über 2:30h, mit 7.5km und 495hm (zur Entspannung)

English summary: For the last day, I planned a short cycling tour in the morning up to the Pass dal Fuorn. I left even before breakfast to a) avoid the high amount of cars using the pass throughout the day and to b) allow me not leaving Zernez too late. And during this 2hrs cycling tour, I could recap on all the great adventures that I experienced the last days. In total, I did more than 16hrs of cycling, trail running, and hiking in one of the prettiest areas in Switzerland (and Italy). With the last ride up to the Pass dal Fuorn, I added another 2000+ pass, 44k, and 1000m elevation to my palmarès of this amazing week in Zernez. Chapeau!

4. Etappe: Zernez – Lais da Macun – Lavin

Lauf: Zernez – Munt Baselgia – Lais da Macun – Lavin, 21.2km, 1494hm, 14.07.2018 (scroll down for English summary)

Und wie indirekt angekündigt, gab es den nächsten herausfordernden Berglauf auf der vierten Etappe. Nachdem mein Körper die bisherigen Anstrengungen gut vertragen hat, konnte ich eine weitere Trainingseinheit planen und eine geeignete Route heraussuchen. Die Wahl fiel auf die „Wanderung“ von Zernez nach Lavin vorbei an den Seen von Macun. Mit ca. 21km konnte sie nicht nur durch eine beeindruckende Distanz überzeugen, sondern es warteten bis zum höchsten Punkt, dem Munt Baselgio (2954m), fast 1500 Höhenmeter auf mich – wohlgemerkt am Stück. Und aufgrund der dieser grossen Steigung testete ich das erste Mal einen Trailrun mit Stöcken zur Unterstützung.

Die ersten zweieinhalb Kilometer waren mir nicht unbekannt, bin ich sie doch bereits bei meiner Prologtour in der anderen Richtung abgelaufen. Der weitere Weg hinauf zum Munt Baselgio schlängelte sich mit ähnlicher Steigung über Singletrails sowie einem Waldweg weiter. Nach 6.3km erreichte ich die Baumgrenze bei ca. 2265m und die Umgebung verwandelte sich von einer von einer Wald- und Wiesen- in eine Fels- und Gerölllandschaft. Die Stöcke waren jetzt eine willkommene Hilfe, die Hände teilweise auch. Der Ausblick war spektakulär, da sich neben den Bergen und Tälern des Nationalparks auch die Weiten des Oberengadins zeigten. 

Zum Training für meinen grossen Berglauf testete ich nicht nur meine Kondition, sondern auch die Ausrüstung
Beim Training sollte man nicht nur die Kondition testen, sondern auch die Ausrüstung

Nach ziemlich genau zwei Stunden Laufzeit erreichte ich den Gipfel des Munt Baselgia. Die letzten Meter waren teilweise ausgesetzt und erforderten vollste Konzentration, sodass ich neben der Ausdauer auch meine Technik üben konnte. Als ich während einer kurzen windigen Pause auf meine Laufschuhe schaute, war es schon etwas paradox. Früher hätte ich mich als „Turnschuhtourist“ beszeichnet, heute bin ich ein Trailrunner. Wie sich Zeiten und Anschauungen verändern.

Nach der kurzen Erholungsphase mit einer kleinen Verstärkung begab ich mich auf dem Bergabweg in Richtung der wunderschönen Lais da Macun, die ich bereits vom Gipfel erspähte. Der Pfad blieb weiterhin abwechslungsreich. Hinzu kam, dass in den schattigen Gebieten noch Restschneefelder vorhanden waren, über welche der Wanderweg verlief. Bis auf einen kleinen Ausrutscher, bei dem ich mich auf den Hosenboden setzte, bin ich aber gut bis zu den Seen gekommen. Einen kleinen Umweg für einige Fotos nahm ich dabei gern in Kauf. Wenn ich dabei kurz inne hielt, musste ich wieder feststellen, in welch traumhafter Umgebung ich mich befand. Blaugrüne Bergseen, prominente und ausgesetzte Berggipfel, Schnee- und Geröllfelder und dazu ein imposanten Ausblick auf den Piz Linard sowie die Silvretta-Bergruppe. 

Eindrücklicher Ausblick beim Abstieg auf Piz Linard sowie die Silvretta-Gruppe
Eindrücklicher Ausblick beim Abstieg auf Piz Linard sowie die Silvretta-Gruppe

Der weitere Abstieg bis zur Zugstation in Lavin zog sich verständlicherweise länger hin. Immerhin musste ich die gewonnene Höhe auch wieder verlieren. Insbesondere die Alp Zeznina Dadaint (1958m) ist eine Erwähnung sowie einen kurzen Zwischenstopp Wert, da man sich per Self-Service von den gekühlten Getränken aus der mit Wasser gefüllten Kuhtränke bedienen konnte. Eine willkommene Erfrischung. Einen abschliessender Espresso sowie ein Stück Zitronenkuchen wartete auf mich schliesslich nach fast vier Stunden Laufzeit im Hotel Piz Linard in Lavin, bevor ich erschöpft aber glücklich mit dem Zug wieder zurück nach Zernez fuhr.


English summary: As I still felt strong enough after the amazing mountain run on the previous day, I decided to go for another one. This time, I chose the uphill-downhill route from Zernez to Lavin via the Lais da Macun. This area around multiple small but beautiful mountain lakes also belongs to the Swiss Nationalpark area – and it deservers it. For the technical ascent and descent to and from Munt Baselgia, the highest point of the tour, I was grateful for the walking sticks as well as my little experience on more exposed and rocky trails. Together with amazing lookouts, this tour is definitely a recommendation – for hikes and trail runners.