Start der Nachsaison im Prättigau

Das letzte meiner persönlichen Jahreshighlights, der Inferno-Triathlon, liegt nun mittlerweile fünf Wochen zurück. Während ich in den vergangen beiden Jahren jeweils kurzfristig noch einen langen Wettkampf aus dem Hut gezaubert habe (Anm.: Jungfrau-Marathon in 2017 und Swiss Trail Tour in 2018) und mich kurzfristig für eine Teilnahme entschieden habe, blieb ich dieses Jahr ruhig. Teilweise aufgrund anderer privater Verpflichtung, teilweise arbeitsbedingt aufgrund schlechter Form. Dafür nutzten wir das erste freie Wochenende für einen Ausflug nach Graubünden, genauer: nach Schiers im Prättigau. Dort standen für mich zwei Trailrunningausflüge an.

Fast bis zur Schesaplanahütte

Lauf: Eggli (Seilbahn) – Alp Ludera – Vordersäss – Seewis im Prättigau, 19.0km, 527hm, 21.09.2019

Schiers befindet sich förmlich am Fusse des Schesaplanas, einem fast 3000m Grenzberg zu Österreich, bestehend aus Dolomitgestein, wie er sonst vor allem in dem bekannteren Gebirgsmassiv in Norditalien zu finden ist. Der Weg von Schiers bis zum Gipfel ist jedoch extrem lang. Der Gipfel selbst nur über einen Blau-Weiss-markierten Wanderweg zu erreichen, der etwas Felskraxelei erfordert. Für mich definitiv zu weit. Aber ich peilte zumindest die Schesaplanahütte an, welche von Eggli aus, der nächstgelegene mit ÖV-Station, in gut dreieinhalb Wanderstunden zu erreichen ist. Ich plante für den Berglauf eine gute Stunde ein.

Doch der Weg begann steil. Schnell gewann ich von der gut auf 1700m gelegenen Seilbahnstation Eggli an Höhe. Nach circa 300 Höhenmetern erreichte ich eine Passhöhe, bei welchem verschiedenen Wege abgingen. Aufgrund einer nicht vorhergesehen Situation (nicht betreffend meines Ausflugs) entschied ich mich bereits jetzt die Schesaplanahütte auszulassen und auf schnellerem, aber nicht auf direktem Wege nach Schiers zurückzukehren. Denn das hätte eine lange Seilbahn- und Postautofahrt bedeutet. Und so wählte ich die linke Abzweigung in Richtung der Alp Ludera.

Dort angekommen ging es bis Vordersäss nochmalig etwas bergauf, vorbei an herbstlichen Wiesen, sich entspannenden Kühen und einem wohl durch mich aufgescheuchten Murmeltier. Vor mir thronte das mächtige weisse Gesteinsmassiv des Schesaplanas. Eine traumhafte Aussicht von einem traumhaften Pfad in einer traumhaften Landschaft. Von Vordersäss ging es praktisch nur noch bergab. Der abfallende Weg hatte sich mittlerweile zu einer kleinen Waldfahrtstrasse entwickelt und stellte keine grössere sportliche Herausforderung mehr dar. Der Blick zurück dafür war umso beeindruckender und liess mich daran erinnern, wie schön dieser Ausflug im Prättigau war.

Das Schesaplana-Massiv und die Wälder Engadins im Rücken – schön, wild, lieblich

Eine steile Morgenrunde ab Schiers

Lauf: Schiers – Egger – Schiers, 8.5km, 680hm, 22.09.2019

Am zweiten Tag gab es eine Planänderung – auch wenn davon genau genommen nicht gesprochen werden kann, da es eigentlich keinen Plan gab. In jedem Fall musste die Tour am Sonntag einigen Kriterien genügen. Direkter Start ab Schiers, nicht länger als 90min, aber dennoch schön mit ein paar Höhenmetern. Also schaute ich kurz auf der Karte nach und wählte eine Route in die westlichen Hügel. Steile Hügel, wie sich später rausstellte.

Nach zwei flachen Kilometern entlang des Fluss Landquart zweigte der Weg Richtung Egger ab. Und sofort wurde es steil. Mein geübter Blick auf die Karte schätzte ungefähr 500hm Anstieg auf nur wenigen Streckenkilometern. Es wurden fast 700hm. Entsprechend steil war es. Und ich freute mich, die Stöcke dabei gehabt zu haben. Über verwunschene Pfade gewann ich an Höhe, bis ich an einem älteren Haus vorbeikam, in welchem zwei überraschte Jäger warteten. Etwas leid tat mir die beiden schon, denn mein doch zu hörender Atem wird jedes scheues Reh längst vertrieben haben.

Etwas bewölkt, die schöne Herbststimmung trübte dies aber in keiner Weise

Als ich mit Egger den höchsten Punkt erreichte, schaute ich mich um. Während am Vortag der Himmel sich von seiner blausten Seite zeigte, zogen heute eher dickere Wolken vorbei. Die abwechslungsreiche Aussicht auf die umliegenden Berggipfel und die allgegenwärtige Ruhe in dieser Baumlandschaft beeindruckten dennoch. Der Rückweg führte etwas weniger steil auf engen Single-Pfaden bergab und nach circa 90 Minuten erreichte ich wieder Schiers. Hinter mir lag einer schöner Morgenausflug. Und zwei schöne Tage im Prättigau.

English version: Five weeks after finishing the last of my major highlights of the year and without many of activities, it was time to do some proper sports again. And luckily, we spent two days in the amazing contryside of Prattigau, a region in Eastern Switzerland close to the Austrian border. On the first day, I chose a 19k trail running route with circa 500m of elevation towards the Schesaplana hut. Although I could not reach it, this run was beautiful considering the blue sky, the incredible rock formations, and the enchanting autumn colours that accompanied me all the time. While the second run was not as spectacular, it was almost harder as I gained roughly 700m of elevation in only a 8.5km loop (up and down). In summary, I missed these sports challenges. Looking forward to the next one.