Exploring Biketrails – Gempen und Arlesheim

Als ich am 05. März aufgrund des bevorstehenden Lockdowns wegen der Corona-Krise von Zürich nach Basel aufbrach, dachte ich nur daran das Wichtigste mitzunehmen. Hauptsächlich semi-formelle Kleidung, ausreichend Unterwäsche, Hygienezeugs sowie ein paar Sportsachen, um wenigstens für etwas sportlichen Ausgleich parat zu sein. Je länger die Einschränkungen und somit Home Office aktuell blieben, desto mehr holte ich weitere Sportkleidung und -geräte nach. Man musste sich die (Frei-)Zeit ja so angenehm wie möglich gestalten. Zuerst blieb es bei weiterer Sportkleidung. Dann kam noch das Rennrad für Rollentraining hinzu. Und zuletzt holte ich auch das Mountainbike nach. In meiner ersten „Ferienwoche“ seit Weihnachten – etwas Büroarbeit wartete dennoch auf mich – nutzte ich die Chance für zwei Ausfahrten ins Gelände.

Eingewöhnung und Crash

Mountainbike: Birsfelden – Rütihard – Gempen Nord Trail – Birsfelden, 17.6km, 390hm, 20.04.2020

Bereits am Montagnachmittag meines Urlaubs wartete weitere Arbeit auf mich. Grund genug bei bestem Wetter am Morgen schnell das Bike zu testen. Eine grosse Runde wollte ich eh vermeiden, da mir noch die 68km Tour vom Vortag in den Beinen steckte – die übrigens eine tolle Steigung nach Himmelried beinhaltete. Aber für eine schnelle Ausfahrt sollte es reichen.

Über bekannte Strecken gelangte ich auf die Rütihard und fuhr noch locker weiter in Richtung Gempen bzw. Arlesheim. Anstatt den mir unbekannten und wohl neuen Biketrail bei Arlesheim zu fahren, wollte ich über den relativ einfachen und „flow“-igen Gempentrail wieder nach unten. Und dies gelang mir ziemlich gut. Das Gefühl auf dem Bike war gut, die Kurven nahm ich locker, einzelne Buckel nutzte ich für kleinere Sprünge und am Ende des oberen Gempentrails sprang sogar eine persönliche Bestzeit heraus, wie ich später auf Strava, der Sporttracking-App, feststellen konnte. Die Lust nach mehr war geweckt, meine Adern mit Adrenalin gefüllt.

Jedoch führte das zu etwas Übermut. Und der kommt bekanntlich vor dem Fall. Von einem asphaltierten Zwischenstück auf der Rütihard bog ich links mit relativ hoher Kurvengeschwindigkeit in einen Feldweg ein. Ich merkte, schon halb in der Kurve liegend, wie der Untergrund von Asphalt zu Kies und Schotter wechselte und wie in Zeitlupe mein Vorderrad wegrutschte. Noch versuchte ich schnell aus der Pedale auszuklicken und den Sturz abzufangen, doch ich war zu schnell und fiel auf die linke Seite. Schnell aufgestanden hielt ich erstmal inne – und checkte mental meinen Körper. Ein paar Schürfwunden am linken Bein, eine kleinere Stauchung an der linken Hand, jedoch etwas stärkere Schmerzen am rechten Mittelfinger. Ich spürte bereits, wie der Finger anschwoll, er liess sich aber noch vollständig bewegen. Es sollte zwar ein paar Tage dauern, bis es verheilen sollte, aber ingesamt hatte ich wohl Glück im Unglück gehabt. Auf der restlichen Rückfahrt und Abfahrt – glücklicherweise blieben beide meine Zeigefinger, die ich zum Bremsen brauche, verschont – liess ich es gemütlich angehen und erfreute mich trotz des Malheurs einer tollen Bikerunde.

Was es nicht alles im Baselbiet oberhalb von Pratteln zu entdecken gibt – oder doch eher in der Toskana

Einfach mal raus, irgendwo hin, Hauptsache Biketrails

Mountainbike: Birsfelden – Muttenz – Pratteln – Frenkendorf – Schauinsland – Arlesheim Biketrail – Arlesheim, 35.4km, 898hm, 24.04.2020

Es sollte vier Tage dauern, bis ich einen weiteren Versuch unternahm. Die „Pause“ überbrückte ich mit Laufen (siehe nächster Artikel) und einem lockeren Rennradausflug. Nach einem weiteren arbeitsreichen Ferientag stellte ich mir am Freitagnachmittag die Frage, welche Radaktivität ich denn in Angriff nehmen möchte. Es sollte weder physisch noch mental überfordernd sein – also fiel die Wahl auf eine Mountainbike-Tour ohne konkretem Ziel. Ich wollte neue Wege entdecken, ohne grosse Umwege zu riskieren. Ich wollte einen langen Anstieg vermeiden, sondern vielmehr Anstrengung und Entspannung abwechseln lassen. Und ich wollte, wenn möglich, zum Abschluss den Biketrail von Arlesheim ausprobieren.

All das wurde schlussendlich erfüllt. Bereits in Muttenz schlug ich mir neue Pfade ein. Es ging hoch und wieder runter. Ab und zu gelangte ich auf mir bekanntes Umfeld. Dann nahm ich eine neue Abzweigung. Es wechselten sich breite Waldwege mit asphaltierten Strässchen ab. Einmal passierte ich einen Schlosshof. Anschliessend landete ich auf einer Art Single-Trail-Anstieg, auf welchem ich einem Reh begegnete. Nach einem kleinen ungewollten Schlenker gelangte ich zum Aussichtspunkt Schauinsland. Dann wieder fand ich mich zurück auf dem bekannten Aufstieg von Liestal zur Schauenburg. Jetzt folgte ich zwei anderen Bikern, die glücklicherweise auch den Weg zum Arlesheim-Biketrail suchten. Diesen typischen Flowtrail (die Schwierigkeit des Trails nimmt mit hoher Geschwindigkeit zu) meisterte ich mit Bravour. Und so schloss ich die Ferienwoche mit etwas Arbeit, einem leicht gestauchten Finger sowie zwei gemeisterten Biketrails (und weiteren grossartigen Lauftrek-Erfahrungen) ab.

English version: In order to make my spare time during the Corona crisis as enjoyable as possible, I got my mountain bike from Zurich to Basel. During my first week of holidays since Christmas, I tried some climbs and some bike trails in the closer area of the Gempen mountain. While I only had limited time on my first ride, I did not push too hard in the uphill, but chose the known Gempen bike trail for getting downhill which I mastered quite well. However, in one of the next turns I underestimated the surface change from asphalt to gravel. My front wheel slipped, and me too. This little crash let me finish this first ride easily, but with a slightly swollen middle finger on the right hand. Only four days later I was keen and ready for another ride again with the finger almost completely healed. This time I managed to get home without another crash, but with an amazing experience on various up and downhill passages in the area, including a pretty cool descent on the Arlesheim bike trail. Worth it!