Passwang und gemischte Gefühle

Radfahrt: Birsfelden – Grellingen – Nunningerberg – Passwang – Langenbruck – Liestal – Birsfelden, 82.5km, 1298hm, 26.04.20

Als ich vor gut zwei Wochen einen Radausflug Richtung Bretzwil und Nunningen unternommen habe, begegnete ich einem Gleichgesinnten. An einer Ampel kamen wir ins Gespräch. Natürlich mit zwei Meter Abstand. Oder eineinhalb. Woher kommt der andere, wohin geht der andere. Dabei machte mich der andere Radfahrer auf einen kleinen Anstieg bei Nunningen aufmerksam, der verkehrsfrei sein soll und anschliessend mit dem bekannten Voralpenanstieg zur Passwang kombiniert werden kann. An diesem Tag lehnte ich das Angebot ab, diese zusätzlichen Streckenkilometer und Höhenmeter in meine Runde einzubauen. Aber die Idee dieses Ausflug setzte sich in meinem Kopf fest.

Also startete ich am letzten Sonntag die Tour in Richtung Passwang. Schon länger nahm ich mir zu dem vor, meine Lieblingsabfahrt der Region (Nunningen-Grellingen) als Anstieg zu fahren. Ein perfekter Aufgalopp zu dieser Runde, die ich fast metergenau über meine Sportuhr plante: Radweg Birsfelden bis Grellingen, Anstieg Grellingen bis Nunningen, bei Nunningen über den Nunningerberg, anschliessend Passwang bis Mümliswil, dann über einen abschliessenden Anstieg zur Breitenhöchi auf die Hauptverbindungsachse Olten-Liestal-Basel, dann wieder über die Radwege bei Bubendorf, Liestal, Pratteln und Muttenz zurück. Insgesamt sagte mir die vorherige Streckenplanung ca. 78km und 1900hm voraus. Zum Glück waren es nicht ganz so viele Höhenmeter („nur“ ca. 1300hm), denn die 3-4 grossen Anstiegen forderten mich stark. Jedoch war dies nicht der Grund meiner gemischten Gefühle.

Traumhafte Aussicht auf verschiedene Jura-Hügel – während des Anstiegs nach Nunningen

Die gemischten Gefühle waren nämlich keineswegs negativer Natur – im Gegenteil. Es waren vielmehr positive Assoziationen, die ich empfand, als ich die verschiedenen Berge auf dieser Radrunde erklomm. Nach dem unteren steileren Einstieg des Anstiegs zum Nunningerberg gelangte ich auf eine eher flachere, sonnendurchflutete Hochebene, auf der mir ein ähnlicher Geruch in die Nase stieg, wie ich ihn auf Mallorca erlebt habe. Als ich die gut 3km zur Passwang auf breit ausgebauter Strasse in Angriff nahm und mich nach und nach Motorradfahrer mit lautem Getose überholten, fühlte ich mich eher an die grossen Passstrassen der Alpen wie Simplon oder Brünig erinnert, als an das Oberbaselbiet. Und schlussendlich überquerte ich einen kleinen Pass durch Wälder und Wiesen, bevor ich über den Oberen Hauenstein die langgezogene und breite Abfahrt mit Zuggleisen daneben in Richtung Liestal in Angriff nahm – Appenzellerland pur. Positiv gemischte Gefühle aus drei unterschiedlichen Regionen, die ich gut kenne und gerne wieder besuchen würde. Bis es nach der Corona-Zeit wieder so weit ist, gibt es gute nahgelegne Alternativen im Baselbiet.

Von der Passwang geniesst man normalerweise den Blick auf den gesamten Alpenhauptkamm – dieses Mal leider nicht, schön ist es trotzdem.

English version: Mixed feelings. In a positive way. When going for the first longer (>80k) cycling tour in a while (since end-August 2019), I chose three climbs as the main challenges for my ride: Nunningerberg, Passwang, and Oberer Hauenstein (via Breitihöchi). And on all of those, I have been reminded on different places that I would love to visit again. After mastering the steepest part at Nunningerberg, it smelt like on Mallorca. When climbing Passwang, I was overtaken by so many motorbikes – it could have easily been one of the big passes of the Alps. And the little road up to Breitihöchi before reaching Langenbruck and Oberer Hauenstein felt like Appenzellerland. All good memories on a very beautiful cycling tour.