Geheimtipp Oberhornsee

Wanderung: Gimmelwald – Hotel Tschingelhorn – Hotel Obersteinberg – Oberhornsee – Schmadrihütte – Trachsellauenen – Stechelberg, 22.2km, 1305hm, 03.09.20

Ferien. Woche 2. Donnerstag. Bald ist es vorbei und der normale Alltag geht weiter. Der Wecker klingelte um 6:10 Uhr. Fast wie an einem normalen Arbeitstag. Doch der Grund des zeitigen Aufstehens war ein anderer. Wir wollten zeitig los und 7:00 Uhr zu einer Wanderung aufbrechen. Auch wenn wir das nicht ganz schafften – wir nahmen doch erst die 7:30 Uhr Bahn – das frühe Aufstehen sollte sich auszahlen. Es sollte eine unglaubliche Erfahrung werden, ähnlich der Wanderungen in Patagonien oder der Gletscherüberquerungen in den Berner Alpen im Jahr 2016.

Wie gesagt fuhren wir mit der Gondel. Bis Gimmelwald. Anschliessend brachen wir in Richtung Obersteinberg auf und nahmen dafür die moderate Route durch den Wald und über das Hotel Tschingelhorn. Unser Frühstück nahmen wir in kleinen Unterbrechungen auf der Wanderung ein. Es war eine beeindruckende Ruhe, eine Ziege gesellte sich zu uns, die Sonne äugte langsam hinter den Berner Bergriesen hervor. Sobald wir aus dem Wald herauskamen und das Hotel Tschingelhorn erreichten, wurde uns bewusst, was für einen perfekten Tag für diese Wanderung ausgesucht hatten. Strahlend blauer Himmel, nicht zu warm, Herbstlicht. Und da es am vorherigen Wochenende bis auf 1800m geschneit hat, zeigten sich die Bergflanken in vollends weisser Pracht. Um kurz vor 10:00 Uhr erreichten wir das ohne Elektrizität funktionierende Hotel Obersteinberg, Zeit für das zweite Frühstück: Ein Stück Zwetschgenkuchen mit Rahm und einfachem Bergkaffee.

Bis dahin war alles bekannt. Die Landschaft, der Weg, die Berghotels. Nun brachen wir in das Unbekannte auf. Noch weiter bis zum Talende, bis zum Oberhornsee. Oder Oberhoresee im Dialekt. Wir wanderten über verwunschene Wege, vorbei an lieblichen und tossenden Wasserfälle. Vor uns ein Dolomiten-ähnliches, gefährlich wirkendes Felsmassiv, hinter uns, weiter weg, die Junfgrau. Nach einem leichten Anstieg fiel uns der nächste Wegweiser auf: See. Wir folgten dem Weg, erreichten eine Hochebene und sahen einen See. Oder eher einen Teich. Pfütze wäre eine Beleidigung. Teich trifft es gut. Eingebettet war dieser Teich, der Oberhornsee, in eine unglaubliche Landschaft bestehend aus prominenten Berggipfeln, eindrücklichen, aber leider zurückgegangenen Gletschern sowie einer wilden Hochebene, in der sich das Grün des Grases und das grau der Felsen abwechselte. Das Wasser, falls wie bei uns glasklar und spiegelglatt, eignet sich perfekt für eine Reflexion der sich darin spiegelnden Jungfrau. Vom See aus konnten wir Wanderwege sehen, die weiter in Richtung Gletscher führten – über den Tschingelgletscher könnte man bis ins Kandertal gelangen. Nicht für uns. Nicht heute. Wir genossen die Ruhe am See.

Das Fotomotiv am Oberhornsee schlechthin – die sich spiegelnde Jungfrau

Nach ein kurzen Pause wagten wir uns an den langen Abstieg, der zuerst über die weite Hochebene führen sollte. Eine raue Arena inmitten von grandiosen, schneebedeckten Berggipfeln. Man spürt wie sehr die Gletscher, der Schnee, das Wetter auf die Form dieser Landschaft Einfluss hatten und haben. Der Abstieg liess übrigens weiter auf sich warten. Und als wir die Beschilderung der Schmadrihütte sahen, entschieden wir uns diese noch in Angriff zu nehmen. Der Aufstieg über die ehemalige Endmoräne des Schmadrigletschers verlangte uns zwar nochmals 150 Höhenmeter ab, aber wir hofften auf eine ordentliche Mittagsmahlzeit. An der Hütte angekommen merkten wir, dass es sich nur um eine Schutzhütte handelte, also nicht bewirtschaftet wird. Ein einfaches Bettenlager, eine Kochnische inklusive Töpfe, Geschirr und Besteck sowie etwas Restproviant für den Notfall. Unseren Mittagssnack der eigenes mitgebrachten Verpflegung nahmen wir auf dem kleinen Vorplatz – bei nach wie vor strahlend blauen Himmel.

Grauer Fels, grünes Gras, weisse Gletscher und blauer Himmel – ein Farbenspiel zum sich Gewöhnen

Nun endlich sollte wirklich der Abstieg beginnen. Und dieser hatte es in sich. Wir mussten über 1300 Höhenmeter auf einer Wegstrecke von 10 Kilometern verlieren, damit wir unser Ziel in Stechelberg erreichten. Und dies nach dem wir bereits 12km und 1300 Höhenmeter Aufstieg in den Beinen hatten. Der Weg und die Aussicht verloren etwas an ihrer Strahlkraft, das Wetter wurde ebenfalls etwas schlechter in dem erste Wolken aufzogen, die abfallenden Single-Trails raubten Kraft. Als wir im Tal ankamen nutzten wir das Hotel Trachselauenen als unsere letzte Verpflegungsstation: Kuchen, Eiskaffee und Rivella. Das tat nochmals gut, bevor wir die letzten Kilometer unserer 22km langen Wanderung zurücklegten und abschliessend in die Bahn von Stechelberg nach Mürren stiegen.

Die Dörfer des Lauterbrunnentals von hinten nach vorne: Stechelberg, Mürren, Wengen, Lauterbrunnen

Diese Wanderung war der krönende Abschluss zwei wunderschöner Ferienwochen, in welchen wir in einem uns sehr bekannten Gebiet sehr viele neue Dinge erlebten. Und wo es immer noch viel Unbekanntes zu entdecken gibt.

English version: Two weeks of holidays were almost over. A lot of new things we experienced in a quite known territory. Still there was another point of interest that we have not explored yet. The lake ‚Oberhornsee‘. Early in the morning, we hiked up to Hotel Obersteinberg, a place where I have been a couple of times already. From there we continued towards the little mountain lake and entered a magical but remote world full of wild waterfalls, rugged mountain peaks, wild glaciers, and lovely hiking trails. When arriving at Oberhornsee, I was able to take a photo of one of the most beautiful reflections ever. Shortly after lunch time we reached the refuge Schmadrihütte which was the highest point that we reached at 2262m above sea level. A very long descent back to Stechelberg was awaiting us, but we sweetened that one with a delicious ice cream/cake break at the hotel of Trachselauenen – without exaggerating, this is one of the most beautiful hikes that you can imagine.