Die zwei Türme vom Bryndli

Lauf: Mürren – Gimmela/Spielbodenalp – Bryndli (Gipfel) – Wasenegg – Schiltalp – Suppenalp – Mürren, 9.0km, 631hm, 06.10.20

Das Bryndli. Eine markante Bergspitze, die von Mürren deutlich sichtbar ist. Eigentlich sind es zwei prominente, steile Berggipfel, die ich häufiger „unterlaufen“ habe. Mit einer Höhe von 2137m liegen sie am unteren Ende des Wasenegg-Grats, der in der näheren Mürrener Region wohl der spektakulärste Kamm zum Laufen ist. An jenem Sonntag kam ich auf die seltsame Idee, den oder die Berggipfel des Bryndli zu erklimmen. Die Herausforderung dabei, wie in der Vorwoche gab es von Freitag auf Samstag deutlich spürbaren Neuschnee. Im Dorf zu Mürren immerhin 20cm. Auch wenn dieser deutlich bis zu diesem Ausritt weggetaut war, sollte sich dieses Unterfangen als etwas verrückt darstellen.

Anstelle des Weges über Grossvaters Haus wählte ich den direkten Aufstieg, um von Mürren über Gimmela zur Spielbodenalp zu gelangen. Diese passierte ich und began den Aufstieg zum Bryndli. Der Wanderweg schien „gespurt“ und schnell wollte ich einige Höhenmeter machen. Trotz des Schnees und des Winterfeelings wurde mir warm. Die Sonne schien. Ich kam zügig vorwärts. Selbst nachdem ich 200 weitere Höhenmeter überwunden hatte, liess sich es sich auf dem Wanderweg noch ordentlich laufen. Erst als ich zur Bergspitze des Bryndlis abbog, brauchte es etwas Orientierung sowie gezieltes Raten, um den Weg zu erkennen. Nachdem ich in Richtung des Aussichtspunkts des Bryndlis abbog, verlor sich der Pfad unter dem Schnee. Und es wurde deutlich steiler. Mit Hilfe der Hände „kletterte“ ich die letzten Höhenmeter hinauf. „Seltsam“, dachte ich, „dass der Weg so schlecht erkennbar ist.“ Nur kurze Zeit später war ich auf der Spitze. Es windete und rechts und links und vor mir ging es sehr, sehr steil bergab. Schnell schoss ich mit der Handykamera ein Gipfelfoto und begab mich wieder nach unten.

Blick auf’s Bryndli, dazu gesellen sich: Mürren, Wetterhorn, Eiger, Mönch, Gimmelwald und die Jungfrau

Nun erkannte ich mein Dilemma: Während ich beim Aufstieg deutlich die trockenen und trittsicheren Stellen einsehen konnte, fiel dies beim Bergabklettern deutlich schwerer. Immer wieder musste ich mich mehrfach versichern, dass ich nicht unter der dem feuchten Schnee wegrutschen würde. Denn auch auf dieser Seite des Berges ging es steil bergab und ein kleiner Ausrutscher hätte erst sehr viel weiter unten und somit extrem schmerzhaft enden können. Ich liess mir demnach Zeit und gelangte wohl wieder auf einen deutlicher sichtbaren Weg. Als ich wieder etwas festeren Grund unter mir fühlte, wurde mir auch mein Fehler bewusst. Ich bin auf das „falsche“ Bryndli gestiegen. Der Aussichtspunkt inklusive Bank und Gipfelkreuz war der andere Gipfel, auf welchen ein deutlich sichtbarer Weg führte. Also wählte ich diesen noch kurz. Und siehe da, dieser war durch Seile gesichert. Was jedoch auch sehr hilfreich war. Denn der kleine Sattel zwischen den beiden Türmen wies zu beiden Seiten mehrere hundert Meter fast senkrechte Flanken auf. Die Besteigung über diesen schmalen Grat war ein Abenteuer pur.

Auch auf dem zweiten (oder dem ersten) der beiden Gipfel hielt ich mich jedoch ebenfalls nicht lange auf, sondern begab mich auf den Weg zurück. Besser gesagt auf den schneeverwehten unteren Grat der Wasenegg. Nicht immer konnte ich mich in forschem Laufschritt mich fortbewegen, ab und zu wechselte ich in den Marschierstil. Jedoch war dies aufgrund des Neuschnees und der Exponiertheit an einigen Stellen vollkommen ok. Als ich den Abstieg in Richtung Schilttal begann, merkte ich, wie sich die Schneebedingungen änderten. Auf der sonnenabgewandten Seite wechselte der vorher eher glitschige, da geschmolzene Schnee in hauchzarten Puderschnee. Im Gegensatz zu vorher fühlte ich mich bei jedem Schritt sicher, auch wenn ich dabei immer wieder knietief im Schnee versank (bei kurzen Hosen wohlgemerkt). Die weisse Winterlandschaft war übrigens sagenhaft schön.

Nachdem ich die Holzbrücke am Schiltbach passierte lief ich etwas aufwärts, um auf den Weg zur Schiltalp zu gelangen. Das Wasser der durch den geschmolzenen Schnee – ich befand mich wieder auf der Sonnenseite – entstandenen Pfützen durchdrängten meine Traillaufschuhe und -socken. Schon bald lief ich auf bekannten Pfaden. Über den oberen Nortface-Trail, die Suppenalp, das Blumenthal und den Children-Adventure-Trail gelangte ich wieder nach Mürren. Und ich realisierte, was für ein Erlebnis das gewesen war. Ich kannte zu 95% den Weg. Aber die Bedingungen, die die ganze Landschaft in eine entlegene Fast-Winterlandschaft verwandelten, sowie die technische Herausforderungen auf zwei sehr exponierten Gipfeln, die das Adrenalin in mir hervorriefen, sorgten für ein unglaubliches Abenteuer.

Gegenüber – vor ein paar Minuten bin ich noch oben auf dem Grat der Wasenegg entlang gelaufen

English version: The peak of the Bryndli always is quite impressive, distinct, and prominent. A shame that I never climbed it before although I passed by underneath so often. When starting my snow trail run adventure on that Sunday, I set myself the goal to get there as close as possible. The climb up was fun, some snow, some sun, but the trail was good to run. Only the last part got difficult due to the fresh snow that came down the weekend. On the top of Bryndli I only spent a few seconds to take some shots, it was windy and it was steep on every edge. Coming down became a huge challenge. The wet snow and slippery stones made running impossible, even when slowly climbing down, I needed to fully concentrate to not fall. I even realised that I just conquered the wrong peak only then – Bryndli has to two of them. So I quickly also ran up the actual peak to benefit from the best view. Afterwards, I crossed amazing Wasenegg ridge, descended through powder snow, and returned with wet shoes back home to Mürren. What a crazy adventure that was.