Wieder einmal Langlauf – Kandersteg dieses Mal

Langlauf: Kandersteg – Panoramaloipe „Höh”, 24.1km, 593hm, 05.02.2019

Gantrisch, Einsiedeln und nun Kandersteg. 11,1km, 19,2km und nun 24,1km. Skating, klassisch und nun wieder Skating. Ich bin jetzt schon gespannt, wie die verschiedenen Serien fortgesetzt werden. Welches wird die nächste zu entdeckende Langlaufregion sein? Werden es mehr als 25km? Wird sich der klassische Stil oder doch das Skating durchsetzen? Fragen, die ich aktuell noch nicht beantworten kann und will. Aber gerne möchte ich über den Ausflug nach Kandersteg berichten.

In der neunwöchigen Pause zwischen den Jobs, sozusagen während meines Sabbaticals, habe ich mir das Ziel gesetzt, ein Grossteil der Grundlagenausdauer für die Wettkampfsaison 2019 zu legen. Dadurch die Radaktivitäten grösstenteils nur Indoor absolviert werden können, bietet sich Skilanglauf als ideale Abwechslung zum Laufen an. Verbunden mit der Chance, neue Gegenden zu entdecken, wollte ich zumindest einen Langlaufausflug in meiner Freizeit einplanen. Und die Wahl fiel auf Kandersteg im Berner Oberland. Da ich die umliegenden Täler Simmental, Kiental und Lauterbrunnental bereits kennenlernen durfte, konnte ich mit dem Kandertal ein neues Kapitel hinzufügen. Das Wetter spielte übrigens nur bedingt mit. Zwar zeigte sich das Dorf an dem namensgebenden Fluss Kander in seiner winterlichen, verschneiten Schönheit, jedoch blieben mir jegliche Blicke auf die umliegende Berglandschaft verwehrt.

Ausblick auf das verschneite Kandersteg – gegenüber befindet sich der zum UNESCO Welterbe gehörende Oeschninensee

Aber nun zum Sportlichen: Ich verstaute meine Sachen am Bahnhof, lieh mir entsprechendes Skating-Material aus und begab mich in die Loipe. Etwas Eingewöhnungszeit brauchte ich, bis mir wieder die Bewegungsabläufe des Skatingschritts bewusst waren. Geplante hatte ich, vor allem die 14km lange Panoramaloipe ”Höh” inklusive ihrer 377hm zu bewältigen. Doch bereits beim ersten Anstieg musste ich von dem Skating-Rhythmus in den Entenwatschen-Rhythmus wechseln. Ein Schritt nach dem anderen. Der Puls stieg. Die Sportbrille beschlug. Glücklicherweise folgt eine etwas längere Abfahrt. Erst ein paar Kilometer später gelangte ich an den eigentlichen Anstieg zur Höh. Dieser zog sich. Und forcierte mich, meine Technik zu verbessern. Denn mit dem Entenwatschenschritt inklusive intensivem Stockeinsatz verlor ich zu viel Kraft. Also weitete ich den Winkel der Ski und versuchte mit weniger Kraft und etwas mehr Gleiten zu fahren – sofern dies bei Steigungsprozenten bis 15% überhaupt ging. Doch ich fand meinen Rhythmus und erreichte nach gut einer Stunde die „Höh“ auf 1336m ü. M.

Verdiente Pause auf dem höchsten Punkt – der „Höh“ auf 1336m ü. M.

Ab dann ging es mehrheitlich nur noch bergab. Dies stellt sich bekanntlich als grösste Herausforderung dar. Denn die Kontrolle auf den langen Latten ist definitiv geringer als bei den mir doch mittlerweile sehr gut bekannten Abfahrtski. Und so fand ich mich zweimal auf dem Hosenboden wieder. Aber das gehört wohl dazu, wenn man es nur aller ein bis zwei Jahre schafft, die Langlaufski anzuschnallen. Die restlichen Kilometer waren überwiegend flach, doch bei jedem kleineren Anstieg bemerkte ich, dass ich am Anfang schon sehr viel Kraft gelassen hatte. Daher entschied ich mich nach einer kleinen Extraschleife und knapp 25km und 2:45h Laufzeit meinen Ausflug zu beenden. Ich bin jetzt schon gespannt auf das nächste Langlaufabenteuer und hoffe, meine wieder aufgewärmten Technikfähigkeiten nicht zu lang abzukühlen. Spass macht es. Und fit macht es auch.

English summary: After doing a 11k loop in Gantrisch in 2016 and a 19k loop in Einsiedeln in 2017, it was time for another cross-country skiing experience. This year, I decided to go for a 24k loop in Kandersteg, using the skating style. This allowed me a) setting some basic endurance for 2019, and b) practicing my skating technique again. This helped. After almost 2h45mins I felt comfortable on the thin skis. And it was fun, too. Ideally, I manage to go soon for another run. Otherwise, I can start from scratch again.

Po-Rutschen am Schiltgrat

Lauf: Mürren – Gimmeln – Schiltgrat – Gimmeln – Mürren (Panoramaweg), 10.4km, 615hm, 27.01.2019

Der Schiltgrat ist ein bis zu 2123m hoher Bergkamm unweit von Mürren, an dem ich einst meine ersten konkreteren Versuche im Skifahren unternahm. Sehr oft lag ich damals auf dem Hosenboden. Das ein oder andere mal bin ich sogar in dieser Form den Hang hinunter gerutscht. Glücklicherweise sind diese Erlebnisse mittlerweile Geschichte (meistens) – meine Skiabfahrtsfähigkeiten haben sich verbessert. Die gesammelten Negativerfahrungen von damals haben sich bei meinem ersten Winterlauf auf den Schiltgrat aber durchaus bezahlbar gemacht.

Über ausgetretenen Wanderweg bis zum Restaurant Gimmeln gelangte ich zur Schlittel- und Schneeschuhpiste “Apollo”, der einzige für Wanderer und Trailrunner mögliche Aufstieg. Was im Winter “Apollo” heisst, ist im Sommer übrigens die bekannte Route durchs Schilttal bis zur Schiltalp. Von dort aus jedoch wird im Winter ein breit ausgetretener Weg mit dem Skitruck präpariert. Dieser Teil der Strecke weisst deutliche Steigungsprozente auf, sodass ich aufgrund des rutschigen Tiefschnees sowie des teilweise stark aufkommenden Windes nur langsam voran kam. Doch kaum waren die drei steilen Passagen überwunden, erreichte ich mein Zwischenziel Schiltgrat nach ca. 45min Laufzeit.

Aufstieg zum Schiltgrat über den Schlittelweg Apollo
Aufstieg zum Schiltgrat über den Schlittelweg Apollo

Um die Skipisten zu umgehen, blieb mir für den Rückweg ausschliesslich die gleiche Strecke übrig. Eigentlich locker, sollte man denken. Es geht ja nur noch bergab. Doch genau darin lag die Herausforderung. Die steilen Gefälle sind bei Schnee kaum zu laufen. Es gibt praktisch keinen Halt. Also half nur die alternative Technik des Hosenboden-Rutschens – auch wenn etwas unorthodox daherkommend ist die Methodik durchaus effektiv und daher auch bei bekannten Trailläufern zu sehen. Sie besitzt sogar einen Fachbegriff: Glissading. Und obwohl diese Art des Rutschen mehr Spass macht als die sturzbedingten Rutschpartien mit Skiern, an die ich mich zurückerinnert fühlte, war ich nun happy, als ich wieder auf zwei Beinen weiterlaufen konnte. Ein gelungener Trainingsausflug.

English summary: Usually, the Schiltgrat area I know best from all my skiing experiences – including all the crashes and down-sliding in the early years. This time I explored the ridge with trail running shoes. Except from the three steep passages, I managed to reach the highest point at the end of the Schiltgrat ski lift in quite a good shape. However, the same three passages were a proper challenge when going downhill. Without even trying differently, I immediately used the technique of glissading, a form of down-sliding on your buttocks. Definitely worth a try, although I prefer running on two legs. Still a good training session.

Aufstehen! Zum Schneesonnenaufgang

Lauf: Zürich – Uetliberg – Zürich, 13.4km, 593hm, 19.01.2019

Das letzte Jahr begann mit einem Knall. Dieses Jahr begann mit einem Fall. Glücklicherweise nur bildlich gesprochen. Während ich im vergangenen Winter mit dem „Snow & Run“ Event in Arosa bereits in der zweiten Januarwoche einen ersten Trailrunning-Wettkampf in der Tasche hatte, musste ich dieses Mal kurzfristig darauf verzichten. Nach einer hartnäckigen Erkältung war der Körper noch nicht fit genug für einen Halbmarathon bei erschwerten Bedingungen – neben 600hm muss es gut 20cm Neuschnee auf der Strecke gegeben haben. Da hatte ich wohl eine weise Entscheidung getroffen.

Auch wenn der nächste Wettkampf wohl auf sich warten lässt, das nächste Ziel wollte ich schon bald angehen. Nach wie vor stand bei mir der „Schneesonnenaufgang“ auf dem Uetliberg auf der Checkliste. Und nach dem es in der Vorwoche gut geschneit hatte, bot sich das dritte Januarwochenende an. Die Wettervorhersage war vielversprechend, der Sonnenaufgang für gegen 8.00Uhr angekündigt. Also lief ich um halb 7 kurz nach dem Aufstehen daheim los. Eine gute Stunde plante ich für den Aufstieg. Es ging nicht um Geschwindigkeit, sondern um Genuss. Die Stöcke waren auch dabei. Das Kopflicht leider nicht, daher nahm ich den beleuchteten Weg über den Laternenweg Richtung Uetliberg in Angriff.

Kurz vor halb acht kam ich dann auf dem schneebedeckten Gipfel an. Es wurde hell. Eine tolle Morgenstimmung. Und trotzdem machte sich etwas Ernüchterung breit. Denn erst jetzt bemerkte ich den morgendlichen Hochnebel, der noch in den Bergen festhing. Aufgrund der Dunkelheit und der Bäume fiel mir gar nicht auf, dass die wolkenfreie Wettervorhersage (noch) nicht eingetreten war. Nur ganz leicht verirrten sich vereinzelte Sonnenstrahlen durch die Wolkenbänder und sorgten für ein schwaches Morgenrot. Ich schoss ein paar Fotos und wartete noch vergebens knappe 30 Minuten auf Besserung, bevor ich wieder den Heimweg antrat. Mittlerweile spürte ich die Kälte.

Zürich am Morgen – traumhafte Stimmung, auch wenn der Sonnenaufgang hinter Wolken versteckt wurde

Auf dem Abstieg wählte ich wieder einen der zahlreichen Singletrails, bei dem ich mir nicht sicher war, ob ich ihn überhaupt schon mal gelaufen bin. Je tiefer ich kam, desto weniger wurden Schnee und Eis. Die Temperatur in meinem Körper stieg auch wieder an. Mittlerweile hatte sich die Sonne so langsam durch die Wolken gekämpft, sodass mich unten ein doch sehr schönes, wenn auch verzögertes Morgenrot empfing. Der Abschluss eines doch traumhaften Laufs. Das zeitige Aufstehen hatte sich gelohnt. Und jetzt war Zeit für Frühstück.

Unten angekommen war ich wieder von der Vielseitigkeit des Uetlibergs begeistert

English version: After last year’s jump start with the incredible run at the Snow & Run event in Arosa, I also registered for this year’s edition. However,I required to withdraw from the race as I had a longer cold and was thus not fit enough. Disappointed but not devastated, I aimed for the next goal only one week later. No race, but being on the snowy top of Uetliberg and watching the sunrise was one of the goals when starting this blog. This time, the timing was perfect. The weather was not though. Despite an inspiring morning ambiance, there were too many clouds for an amazing view. Nonetheless, it was worthwhile – and I was anyway happy being back on track again.