Panoramalauf mit Fitz Roy und Cerro Torre

Lauf: El Chaltén – Laguna Capri – Laguna Madre – Rio Fitzroy – Mirador de Torre – El Chaltén, 21.5km, 600hm, 28.02.2019

El Chaltén ist wie bereits im vorherigen Artikel geschrieben, die Wanderhauptstadt Argentiniens. Es gibt viele Wanderwege. Ein ausgedehntes Wanderwegenetz gibt es jedoch nicht. Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet die Wanderwege in einem Nationalpark zu limitieren. Oder aber ist die hiesige Wanderkultur insofern unterschiedlich, dass die meisten Wege zu einem Aussichtspunkt hinführen und wieder zurück. Rundwege, wie wir sie in den Alpen kennen, sind in jedem Fall spärlich.

Eine Ausnahme, wenn auch keine richtige, stellt der Panoramalauf dar, der Ausblick auf die beiden eindrucksvollsten Berggipfel von El Chaltén ermöglicht – auf Cerro Fitz Roy und Cerro Torre. Ich entschied mich genau für diese Route für jenen Lauf, der mein einzig längerer, während der ganzen Ferien bleiben sollte. Hierbei wählte ich die Strecke so, dass ich über den Laguna Capri den Laguna Madre anlief, um dann anschliessend wieder über den Rio Fitzroy und Sendero Laguna Torre zurück zu gelangen. Einerseits konnte ich damit den Weg für den am nächsten Tag stattfindenden Ausflug zum Laguna de Los Tres vorplanen. Andererseits wusste ich, was mich zum Schluss erwarten würde, da mir der Sendero Laguna Torre ja bereits bestens bekannt war.

Der Lauf selber war aufregend. Der Trail zum Laguna des Los Tres von Anfang abwechslungsreich. Über wenige Serpentinen dafür umso mehr Wurzeln und Gestein stieg der Pfad an. Einer Unzahl von Wanderern und Möchtegern-Wanderern musste ich ausweichen und überholen. Nach circa vier Kilometern erreichte ich den Laguna Capri. Der Cerro Fitz Roy erhob sich im Hintergrund, und ebenso die ersten Wolken. Dennoch begeisterte mich die Landschaft. Und plötzlich stolperte ich. In gefühlter Zeitlupe sah ich mich fallen. Jeglicher Versuch mich abzufangen schlug fehl. Dann lag ich. Vermutlich ging alles super schnell. Ich merkte sofort, dass dieser Sturz kein leichter gewesen ist. Ich richte mich auf. Nahm mir ein paar Sekunden Zeit, die Situation zu erfassen. Kopf noch dran, Arme noch dran, Beine noch dran. Grössere Schmerzen negativ, aber der Körper wurde schon arg gestaucht. Hinzu kamen vereinzelte Hautabschürfungen am linken Bein, am rechten Bein, am linken Arm und am rechten Arm. Also eigentlich überall da, wo keine Kleidung war.

Ähnlich attraktiv, aber vom Wetter nicht so schön wie hier am Folgetag, zeigte sich Cerro Fitz Roy

Nach dem sich der kleine Schock etwas gelegt hatte, merkte ich zwei Dinge. Erstens, es ging mir ganz gut. Zweitens, ich hatte wohl Glück im Unglück. Denn der Weg war gesät mit zahlreichen doch höheren und spitzeren Steinbrocken. Noch einmal gut gegangen. Und mein Körper meldete jetzt deutlich zurück: Alles in Ordnung. Also nahm ich den Weg wieder auf. Am nächsten Bächlein wusch ich mir die Hände und säuberte die Wunden, so gut es ging. Der weitere Weg über die bereits im letzten Artikel beschrieben Hochebene mit all den verschiedenen Pflanzen und Wasserläufen lenkte mich von jeglichen Gedanken an den Sturz ab. Etwas mehr Vorsicht liess ich dennoch walten.

Als ich den in Richtung Laguna Madre abbog, genoss ich die unendliche Weite dieses Landes. Am See selber verpflegte ich mich mit etwas Wasser aus dem See. Dieses sollte man zwar nicht in grossen Mengen ungefiltert zu sich nehmen. Aber direkt aus dem Gletscher gespiessen gilt es als sehr rein und kann ohne Probleme getrunken werden. Nach dieser kurzen Pause musste ich mit drei weiteren Hindernissen kämpfen. Erstens einem Überwuchs an kleinen Schmetterlingsraupen, die über mehrere Kilometer den ganzen Pfad übersäumten. Zweitens einer etwas einsetzenden Müdigkeit, was aufgrund der mittlerweile 15+ absolvierten Kilometer wohl normal ist. Und drittens einer Vielzahl von übermüdeten Wanderern, die vor allem auf dem Sendero Laguna Torre den Rückweg zum Dorf auf sich nahmen.

Laguna Madre am Tag danach – beim Lauf selber hatte ich keine richtige Kamera dabei; das Wetter spielt eh nicht so mit

Übrigens: am Mirador del Torre legte ich nur noch einen sehr kurzen Stopp ein. Denn mittlerweile zog eine dichte Wolkendecke auf, die Cerro Torre und Cerro Fitzroy nur noch leicht durchschimmern liess.

English version: Most of the trails around El Chaltén are one-way trails where you need to walk the same way back. However, there is one exception. And this is the combination of the Sendero Al Fitz Roy and the Sendero Torre which are linked via the Sendero Madre e Hija. In total this loop sums up to 21.5k and 600m of elevation. Quite a good distance for a long run. And quite tough if you do this without additional supply. But seeing Cerro Fitz Roy and Cerro Torre in one go, is worth all the effort. Even a crash at Laguna Capri could not stop me enjoying this amazing train run.

El Chaltén: Wandern im argentinischen Patagonien

Zur Einführung: Jobwechsel. Nach fünfeinhalb Jahren. Nun neun Wochen Freizeit. Natürlich fallen viele andere Arbeiten in einer solchen Zeit an. Natürlich nutzte ich die Zeit auch für Einzelausflüge. Aber zumindest für drei Wochen sollte es auf eine längere Reise gehen. Zwei Optionen standen bei uns schon lange auf der Liste: Japan und Patagonien. Winter gegen Sommer also. Wir entschieden uns für den Sommer – auch wenn diese Bezeichnung für Patagonien mit maximal 15°C sowie selten drei aneinander hängenden schönen Tage eigentlich „plakativ“ ist. Nach kurzem Zwischenstopp in Buenos Aires war unser erstes Ziel der Nationalpark „Park National des Los Glaciares“ – ein Nationalpark Argentiniens mit traumhaften Bergen und Gletschern. Der Haupt- und damit unser erster Urlaubsort war El Chalten, ein kleines Dorf mit 600 Einwohner an der weltberühmten Fitzroy-Bergkette.

Laguna Torre

Wanderung: El Chaltén – Mirador del Torre – Laguna Torre – Mirador del Torre – El Chaltén, 21.09km, 594hm, 27.02.2019

El Chaltén ist die sogenannte Wanderhauptstadt Argentiniens. Es gibt zwei bekannte Berggipfel im Nationalpark – den Cerro Fitzroy, mit 3359m die höchste Erhebung, und den Cerro Torre, mit 3128m der zweithöchste Berg. Obwohl die Wanderung laut Reiseführer nur die zweite Wahl sei, starteten wir unseren Auftakt mit einem Ausflug zum Laguna Torre, von wo aus der Ausblick zum Cerro Torre traumhaft sein soll. Nach einem Coffee-to-go am besten und coolsten Kaffeevan des ganzen Dorfes fanden wir den Seitenpfad zum Laguna Torre.

Leicht schlängelte sich der Weg bergauf. Die Vegetation irgendwie ähnlich wie in den Alpen, aber doch irgendwie anders. Nach circa 45 Gehminuten trafen wir auf den Hauptwanderweg. Wir waren nun auch nicht mehr allein. Spätestens am Aussichtspunkt des Mirador del Torre waren wir endgültig von einigen Wandergruppen umgeben. Aber der Platz lud auch zum Verweilen ein. Denn von hier aus überblickte man das ganze Tal des Rio Fitzroys und im Hintegrund tauchten die südlichen Berggipfel der Fitzroy-Kette auf. Die spitze Nadel des Cerro Torre war auch dabei. Und spätestens jetzt verstanden wir, wieso diese Bergkette ihren Ruhm verdient hatte. Trotzdem der Ausblick uns für einige Minuten in den Bann zog (sowie die vorhandenen Toilette), zog es uns bald weiter.

Jetzt wechselte die Vegetation ständig. Dem vorher trockenen Grass wechselten sich nun üppige Wälder und Sträucher ab. Und schon bald erreichten wir die Moräne des Geltschersees Laguna Torre, die unser Ziel und Pausenplatz unserer heutigen ersten Wanderung sein sollte. Das Panorama war überragend. Doch am überragendsten war der Cerro Torre. Obwohl der Gipfel – die Bezeichnung Berg ist aufgrund der nadelförmigen Spitze nicht zutreffend – nur 3128m hoch ist, gilt er als einer der am schwersten zu erklimmenden Gipfel der Welt. Über 800m fast senkrechte Granitwände, auf dem unterhalb des Gipfel eine weisse Haube aus Raureifeis sitzt. Unbeschreiblich schön. Und beängstigend zugleich. Verewigt wurde dies unter anderem im Film „Cerro Torre — Nicht den Hauch einer Chance“ mit dem Weltklasse-Kletterer David Lama, der den Berg über die fast unmögliche Kompressorroute zusammen mit Peter Ortner frei, also ohne technische Hilfsmittel als erster im Jahr 2012 bestieg. David Lama, der wohl talentierteste Alpinist seit Ueli Steck, verunglückte Anfang des Jahres 29-jährig tödlich bei einem Lawinenabgang in Kanada.

Laguna Torre mit Cerro Sur, Cerro Adela und ganz rechts, dem Cerro Torre

Wir blieben am See in ausreichender Entfernung und genossen die einzigartige Kulisse. Dabei fielen uns nicht nur die weiteren Highlights wie Cerro Sur, Cerro Adela und der Grande-Gletscher auf. Sondern es gesellte sich zusätzlich ein wunderschöner Habicht zu uns, der sich für ein wunderschönes Fotomotiv zur Schau stellte. Nach unserer Pause, in der uns die Schönheit der Natur komplett in den Bann gezogen hat, machten wir uns auf den Rückweg. Obwohl wir den selben Weg zurück gehen mussten, empfanden wir es immer noch als aufregend. So vielseitig, wie die Natur hier im argentinischen Patagonien ist, lohnt es sich, die Route und damit verbundene Aussicht doppelt zu geniessen. Und damit freuten wir uns schon auf die nächsten Tage.

Chorillo del Salto

Wanderung: El Chaltén – Chorillo del Salto – El Chaltén, 7.9km, 103hm, 28.02.2019

Nach dem verheissungsvollen Auftakt wollten wir etwas kürzer treten. Nach so vielen Flugstunden, neuen Eindrücken und doch beeindruckenden 21 Wanderkilometern des Vortags wählten wir für den zweiten Tag eine flache und somit entspanntere Wanderung zum Wasserfall Chorillo del Salto. Im Gegensatz zum Vortag erlaubte eine tiefere und dichtere Wolkendecke sowieso keinen guten Blick auf die wohl mittlerweile bekannten Gipfel der Chalten-Bergkette.

So wanderten wir direkt vom Hotel los, entlang des Flusses Las Vueltas nördlich in Richtung des Lago del Desierto. Der Weg wiess fast keinen einzigen Höhenmeter aus. Dennoch war er deswegen nicht minder schön. Die Landschaft, die wir durchquerten, traumhaft. Sumpfgebiete. Pferde. Auf schier unendlich weitem und freien Land (unser Pferdeausritt sollte zwei Tage später folgen). Ein mit unzähligen Wasserläufen durchzogenes Flussbett. Umgeben von Bergen, die kaum 2000m hoch waren, aber dennoch mit gletscherüberzogene Gipfeln prahlten. Der Wasserfall „Chorilo del Salto“ selbst hat eine Fallhöhe von circa 20m. Dennoch bettet er sich in die Landschaft ein und bietet Abwechslung zu den Fotohighlights der Chaltén-Bergkette. Der Besuch, verbunden mit der Entspannungswanderung“, war es in jedem Fall Wert. Und am Nachmittag sollte noch ein Lauf erfolgen, der in einem späteren Bericht behandelt wird.

Laguna de Los Tres

Wanderung: El Chaltén – Laguna Capri – Laguna de Los Tres – Hosteria El Pilar, 21.17km, 986hm, 01.03.2019

Das Highlight sollte am letzten Tag auf uns warten. Aber war es das wirklich? Natürlich gilt die Wanderung zur Laguna des Los Tres unterhalb des Gipels des Cerro Fitzroy laut Wanderführer zu den Must-Dos. Aber konnte es unsere erste Wanderung zum Laguna Torre und dem Anblick des Cerro Torres toppen? Vermutlich konnte sie das, ja. Aber dies lag nicht zwingend daran, dass der eine oder andere Berggipfel schöner war. Sondern es lag einfach daran, wie wir unsere Route wählten. Nämlich anders als andere.

Mit dem Bewusstsein, dass unzählige Mitwanderer sich an diesem Tag das gleiche Ziel gesetzt haben, starteten wir unsere Wanderung um 6.15Uhr morgens. Im Dunkeln. Ohne Frühstück. Das hatten wir im Rucksack. Mit angeschalteter Stirnlampe setzten wir wohl die ersten Schritte des Tages auf dem Wanderweg zum Laguna Capri – unserer ersten Zwichenstation. Bis auf einem überraschten Hasen trafen wir auf kein anderes uns sichtbares Lebewesen. Der Weg war mir von meinem Lauf am Vortag glücklicherweise noch bekannt (der Artikel dazu folgt), sodass wir uns gut orientiert relativ schnell fortbewegen konnten. Eine spannende Morgenstimmung.

7:30Uhr am Morgen am Laguna Capri – beste Platz für ein Frühstück bei kühlen Temperaturen

Als die ersten Sonnenstrahlen die über uns liegenden Baumwipfel streiften, kamen wir am Laguna Capri an. 7:30Uhr morgens. Zeit für Frühstück. Dieses liessen wir uns schmecken, auch wenn die Temperaturen noch sehr frisch waren. Schon bald mussten wir auch die Kamera zücken, denn die Gipfel des Fitzroy-Massivs begann zu „glühen“, die wir aufgrund unseres Hungers und der doch kühlen Temperatoren fast vergessen hatten. Aufgrund des Windes spiegelten sie sich leider nicht im See, den traumhaften Anblick zu dieser Stunde trübte dies jedoch in kleinster Weise. Übrigens stellten wir jetzt auch fest, dass wir doch nicht die Ersten auf dem Wanderweg waren – eine andere Person hatte die gleiche Idee. Im Gegensatz zur ihr, die den Weg zurück nach El Chaltén nahm, setzte wir unsere Wanderung zu den Laguna des Los Tres fort.

Der weitere Weg glich einer Naturwanderung „par excellence“. Vorbei an den noch halb verschlafenen Zeltplätzen der Backpacker und an verwunschenen Bächen gelangten wir auf eine leicht versumpfte Hochebene mit vielen Wasserläufen. Im Hintergrund erhob sich weiterhin majestätisch die Fitzroy-Kette – nun vollständig sonnenbestrahlt. Nach dem Camp „Poincenot“ stieg der Pfad steiler an. Über viele Kehren erklommen wir über 300hm hoch bis zu dem Laguna de los Tres. Vereinzelt kamen uns Wanderer entgegen, Camper, die wohl bereits früh morgen aufgebrochen sind, um den Sonnenaufgang am Laguna de los Tres zu bestaunen. Doch als wir um 10:45Uhr den See erreichten, erblickten wir vielleicht eine handvoll anderer Menschen. Und natürlich den überwältigenden Anblick des Cerro Fitzroy. Der See schimmerte in einem speziellen Blaugrün, der die Temperatur des Wassers vermuten lies. Unser etwas verfrühtes Mittagessen genossen wir in dieser unglaublichen Ruhe. Einmal mehr erfreuten wir uns der Tatsache, dass wir bereits um 6:15Uhr unsere Wanderung begonnen haben. Denn nach circa einer Stunde Pause erschienen immer mehr Menschen an der Moräne, die den See umgibt.

Laguna de Los Tres mit seinem berühmten Panorama auf den höchsten Berg, den Cerro Fitz Roy

Also brachen wir auf. Beim Abstieg stellten wir fest, wieviele Menschen mittlerweile den Weg säumten. Umso froher waren wir, als wir nicht wie die meisten den Weg direkt nach El Chalten nahmen, sondern nach links in Richtung El Pilar abbogen. Denn einerseits war der Weg jetzt so gut wie leer gefegt (zumindest von Menschen, Raupen gab es dafür en masse), andererseits wartete mit dem Ausblick zum Gletscher des Piedras Blancas ein weiteres Highlight auf uns. Und was für eines – mein persönlicher Geheimtipp! Leider konnte ich die unbeschreiblich wilde. Gletscherzunge nur mit einem Teleobjektiv einfangen und nicht von nächste Nähe betrachtet. Vielleicht beim nächsten Mal. Nach einer kurzen Fotopausen liefen wir über einen langen, nur leicht abfallenden Weg durch einen abermals verwunschenen Wald bis zur Hoteria El Pilar. Das exklusivere aber einfache Hotel bot entgegen der Beschreibung im Reiseführer keinen Kaffee für Nicht-Bewohner an. Dies tat aber dem unglaublichen Eindruck an diesem Tag keinen Abbruch. Was für ein Tag! Was für eine unglaublich Region? Chaltén, wir werden dich nicht vergessen.

Mein persönlicher Geheimtipp des Nationalparks: der Glaciar Piedras Blancas

English summary: El Chaltén, the capital of trekking in Argentina, was the first out of two travel destinations that we wanted to visit in Patagonia. And what an amazing place it is. Three days of hiking with having incredible views of famous mountains and glaciers. Mostly, the unbelievable peaks of Cerro Fitzroy and Cerro Torre have taken all of our amazement. But also wild glaciers, beautiful meadows and an appealing atmosphere have impressed us a lot. O Chaltén, we will surely come back.

Giro di Primavera – am Comer See

Rennrad: Lugano – Porlezza – Menaggio – Argegno – Lanzo d’Intelvi – Lugano, 81.2km, 1244hm, 18.02.2019

Die Temperatur auf der Meteo-SwissApp zeigt 0.9°C. Für Zürich. 8Uhr morgens. Wie in den Tagen zuvor sollte das Quecksilber noch auf weit über 10°C ansteigen. Doch aktuell ist es frisch. Sehr frisch. Ich entschied mich dafür, noch eine Kappe anzulegen unter dem Helm. Unter dem Radhelm. Denn heute sollte meine eine Ausfahrt mit dem Rennrad erfolgen. Doch nicht Zürich war das Ziel, sondern das Tessin. Bekannt für seine frühlingshafteren Temperaturen wählte ich den südlichsten Zipfel der Schweiz für die erste längere Radtour des Jahres 2019.

Als ich gute zwei Stunden später in Lugano aus dem Zug stieg, war es wärmer. Etwas. Bei 6.4°C liess ich sowohl die Windjacke als auch die Kappe an. Erstmal einrollen. Am Nachmittag wird es dann schon noch wärmer. Also rollte ich entlang des Luganersees und versuchte mich aufzuwärmen. Meine Streckenplanung sah vor, über Porlezza bis Menaggio zum Lago die Como zu gelangen. Von dort aus weiter am Ufer des Comer Sees entlang zu radeln, bis es eine Abzweigung in Richtung des Intelvi-Tals gab, welche mich in das Hinterland des Luganersees und anschliessend zurück nach Lugano bringen sollte. Und um dies vorweg zunehmen – es war eine traumhafte Runde.

Sieht wärmer aus, als es ist – die Küste des Luganersees

Die beiden wunderschönen Seen inmitten der Berglandschaft, italienisches Lebensflair, vereinzelte Restschneefelder direkt an den Strassen, eine überschaubar herausfordernde Streckenführung. Alles, was das Radsportlerherz zu Saisonbeginn begehrt. Das Highlight der Tour war sicherlich die Mittagspause in Menaggio. Tagliatelle Bolognese, eine Flasche Aqua Minerale senza gas und ein abschliessender Espresso – draussen mit direktem Blick auf Bellagio, die Perle des Comer Sees. Ohne Touristen. So macht eine Radausfahrt Spass. Willkommen im Radjahr 2019!

Die Halbinsel des Comer Sees – in Nebel und Schatten befindet sich Touristenattraktion Bellagio

Ps.: Während der Fahrt überlegte ich mir kurz, dass dies wohl bei meiner erst zweiten Ausfahrt des Jahres der erste Auslandsbesuch sei. Doch vergass ich dabei, dass bei der ersten Runde ich von Birsfelden nach Rheinfelden und zurück über deutsches Staatsgebiet gefahren bin. Zwei Ausfahrten, zwei mal über die Grenzen der Schweizernachbarländer – 2019 wird vermutlich ein aufregendes Rennradjahr.

English summary: The thermometer only showed 0.9°C when I started my trip in Zurich. About two-and-a-half hours later, I arrived in Lugano, with 6.4°C slightly warmer. I kept head beanie and jacket on, and started cycling on the coast of Lake Lugano. In the following four hours, I explored the beautiful, Italian-styled towns on Lake Lugano and Lake Como, passed rest snow fields along the road, and collected more than 80kms with 1244m of elevation. What a start into the 2019 cycling year.