Zürich gegen Basel – Velo und Biken

Radfahrt 1: Zürich – Buchenegg – Sihltal – Zürich, 45.1km, 519hm
Bike: Birsfelden – Frenkendorf – Gempen – Schönmatt, 37.0km, 955hm
Radfahrt 2: Birsfelden – Oberwil – Mariastein – Grellingen – Gempen, 63.2km, 1016hm

Es ist Mitte August. Und ich blicke auf meine bisherig gefahrenen Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Schnell stelle ich fast, dass der Grossteil meiner Fahrten im Umland von Zürich und von Basel stattfanden. Grund genug ein Zwischenresümee zu ziehen: Welche Gegend eignet sich besser zum Radfahren?

Für die Analyse ziehe ich drei für mich subjektiv wichtige Kriterien heran, die ich nachfolgend unter anderem nach Faktoren wie Schönheit der Strecke, Passmöglichkeiten oder Verkehr näher unter die Lupe nehmen möchte (Bewertungssystem: Sobald eine der beiden Gegenden überzeugt, gibt es einen Punkt. Punkte für beide gibt es bei einem Unentschieden):

  1. Qualität Rennvelostrecken
  2. Qualität Mountainbikestrecken
  3. Nähe zu grossen und abwechslungsreichen Touren

1. Qualität Rennvelostrecken

Betrachtet man die Dichte von Passstrasse in der näheren Umgebung (d.h. Umkreis 30min) gerät Zürich ziemlich schnell ins Hintertreffen. Zwar gibt es mit Albispass und Buchenegg gleich zwei schöne, ca. je 3km lange passähnliche Erhebungen, das war es dann aber auch schon. Etzel, Hirzel und Pfannenstiel sind etwas weiter weg und zeigen auch nur von einer Seite typische Passmerkmale, d.h. schön geschwungene Serpentinen. Im Baselbiet dagegen gibt es eine Vielzahl von Optionen auf engstem Raum: Gempen, Gempen Hochwald, Gempen über Muttenz, Mariastein, der Aufstieg von Grellingen – und dazu unzählige weitere kleine Strässchen, die man sich ungestört hinauf quälen kann. Und auch das ist ein Vorteil des Baselbietes. Der Verkehr ist doch deutlich geringer als im Umland von Zürich. Daher geht der erste Punkt an Basel.

Punktestand: Zürich – Basel 0:1

2. Qualität Mountainbikestrecken

Kommen wir zum Mountainbikenetz. Zürichs Hausberg, der Uetliberg, und seine Trails sind weniger als 10min vom See entfernt und man vielzählige Möglichkeiten hoch und wieder runterzukommen. Ganz besonders aufregend ist dabei der Biketrail, der vom Uetliberg herunterführt und durchaus technisch anspruchsvolle Passage beinhaltet. Das sorgt für einen gesteigerten Adrenalinspiegel, und somit auch für mehr Fun. Dazu bieten sich noch viele Möglichkeiten um den Waidberg, den Zürichberg, dem Albispass, die ich noch gar nicht alle fahren konnte. Die Gegend um den Gempen im Baselbiet steht dem nur wenig nach. Abwechslungsreiche Anstiege und Abfahrten gibt es en masse – ein Biketrail ist ebenfalls vorhanden (auch wenn technisch weitaus einfacher als der Uetlibergtrail). Dazu kommen noch mir unbekannte Möglichkeiten um Mariastein, Wasserfallen und der Hörnligegend. Auch wenn ich aufgrund des besseren ausgeschilderten Biketrails aktuell leichte Vorteile in Zürich sehen würde, bin ich eher dazu geneigt, beiden Gegenden einen Punkt zu geben.

Punktestand: Zürich – Basel 1:2

3. Nähe zu grossen und abwechslungsreichen Touren

Das letzte ausstehende Kriterium bezieht sich auf die Möglichkeiten, entweder längere Ausfahrten durch tolle Gegenden mit anstrengenden, aber lohnenswerten Passaufstiegen zu fahren oder die Verbindung an das Zugnetz, um diese zu erreichen. Bei letzterem hat Zürich sehr attraktiv, da es sehr gute Anbindungen an die grossen Passstrassen der Schweizer Alpen bietet – auch falls man irgendwo mal endet, und keine Lust mehr hat, den ganzen Heimweg anzutreten. Von Basel aus gibt es auch Optionen (Bern ist immerhin auch in einer Stunde erreichbar) – jedoch ist Zürich zentraler. Für längere Ausfahrten stehen dafür auch die Vogesen in Frankreich und der Schwarzwald in Deutschland zur Verfügung. Auch wenn diese nicht mit legendären Alpenpässen aufwarten können, eröffnen beide Mittelgebirge doch ansprechende Alternativen. Auch beim letzten Bewertungsaspekt tendiere ich aufgrund oben genannter Punkte leicht zur Zürich, kann jedoch keinen deutlichen Vorteil erkennen. Daher wieder eine Punkteteilung.

Punktestand: Zürich – Basel 2:3

Fazit

Nach objektiv subjektiver Bewertung kann Basel dieses Duell mit 3:2 für sich entscheiden. Doch der Unterschied ist marginal. Letztendlich ist die Unzahl an verschiedenen, eher verkehrsarmen Rennradrouten durch das Baseloberland ausschlaggebend, die vermutlich nicht mal vom Appenzellerland getoppt werden kann (detaillierter Vergleich ausstehend). Zürichs Vorzüge wie der Uetlibergbiketrail und die Nähe an die grossen Alpenpässe sind zwar klar erkennbar – doch haben diese bei mir aktuell nicht die höchste Priorität (zumindest im Jahr 2016).


Randnotiz: Entgegen des Titels des Blogs bin ich doch mittlerweile vermehrt im Velo und Mountainbikesport gelandet. Das war eigentlich nicht die Idee. Aber wie anfänglich beschrieben wusste ich nicht, wo mich meine Outdooraktivitäten hinführen. Es ist auch nicht so, dass ich gar nicht mehr die Laufschuhe schnüre. Vielmehr ist es einfacher, etwas Abwechslungsreiches mit dem Bike oder dem Velo zu erleben. Man kommt einfach weiter. Insbesondere wenn man direkt hinter der Haustür starten will – egal ob von Zürich und von Basel. Aber vielleicht wird bald über das eine oder andere Laufabenteuer berichtet, dann sicherlich auch mit Video.

Tour de France in Berne

Ride: Bern – Linden – Schallenberg – Thun, 68km, 894hm

My return from the Bernese Alps timely overlapped with the arrival of this year’s Tour de France in Bern. While I could not be in town and watch the victory by Peter Sagen. However, since the peloton spend its second rest day in the Swiss capital, I took the chance the come back to canton Bern on Wednesday (after I had one relaxing day in Zurich).

And for the first time in my “Visit le Tour” history, I watched the start of a stage. With all teams preparing for long ride, with many shops and promoters distributing free promotion material, with seeing each rider separately on the sign-in process, also a start of a stage is an exciting event. The atmosphere escalated of course when local hero Fabian Cancellara provided his signature and gave a short interview. Also, German riders were popular and obtained a lot of applause by the Swiss audience. One rider though, I realized, is more than just popular, he is a rock star – and I am not talking about Chris Froome, le maillot jaune and soon a 3-times tour de France winner. I talk about Peter Sagen. The “owner” of le maillot vert is fully acknowledged in the peloton, and also with by all fans. On this particular, he was growing even more from my perspective. As one of the sole riders, he took his time to give an autograph to an about-5 years old little boy who probably had the best experience in his life.

Peter Sagan - a champion and a real patron
Peter Sagan – a champion and a real patron

At 11:59, the countdown started. About one minute later, almost 200 pro cyclists took off. And once the last rider was also on his way to Finhaut d’Emosson, I also put my bike in motion – though my today’s target was not a little village in the Valais, but Thun in the Bernese Canton. Of course, I did not go straight there but actually went via Linden (5km, 6%) and Schallenbergpass (7.9km, 5%) through the nice countryside of Emmental, the region where the famous cheese comes from.

Side note 1: I still cannot understand why this cheese became so famous. Appenzeller and Gruyere are taste-wise much better. Maybe it’s about the holes that are the USP of the Emmentaler.

Side note 2: Incredible. While I reached Linden, ca. 30km from Bern, in about 1.5 hours, the professional riders did +60kms and passed already a Cat. 3 climb with Col de Saanenmoser.

So, my tour was rather relaxing. I could not go full pace for whatever reason – the results on the hills are a bit further away from what I expected. I have to admit that 32°C in the shadow and strong wind in the flat and downhill passages were not helpful to reach average top speed. Anyway, the speed was not my main goal of this tour. This ride was more about a) watching riders at the tour de France, and b) finishing superb 7-holi-days in the best way possible

The final jump in Lake Thun with the Eiger-Mönch-Jungfrau panorama was exactly the way to finish my mid-year week-off.

View from Thun - Blüemlisalpmassiv
View from Thun – Blüemlisalpmassiv

Berner Haute Route

Gletscherwanderung: Jungfraujoch – Konkordiahütte – Finsteraarhornhütte – Oberaarjochhütte – Oberaarsee, 4 Tage, 35km, 1800hm

Nach einigen Jahren mit Aussicht auf das Berner Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau fragt man sich irgendwann, was sich eigentlich dahinter befindet. Laut eines bekannten Schweizer Wanderbuchs zeigt die 1:25’000 Karte dieser Region nur einen grossen weissen Fleck, d. h. eine Landschaft aus Schnee und Eis. Eine Landschaft, die man mitten in Europa so nicht erwarten würde.

In diesem Sommer entschloss ich mich, einige meiner Überstunden zu kompensieren und mich einer 4-Tage-Gletscherwanderung anzuschliessen, um diesen wilden und unberührten Fleck inklusive der umliegenden 4000er Gipfel aus nächster Nähe zu betrachten. Name der Tour: Berner Haute Route (Detailbeschreibung).

1. Etappe: Jungfraujoch – Konkordiahütte

Um 10:25Uhr war Treffpunkt mit dem Bergführer an der Kaffeebar auf dem Jungfraujoch, auf 3545m über Meer. Ich kam etwas zeitiger an und nutzte die freie Zeit, um einen ersten Blick nach draussen zu werfen. Ein kleiner Schock. Denn sofort bekam ich den eisigen Wind zu spüren, der mir mit über 50km/h und bei -9°C entgegen peitschte. Sollten wir wirklich bei diesem Wetter aufbrechen und über den grössten Gletscherstrom der Alpen wandern?

Ja. Zusammen mit dem Bergführer gingen wir die erforderliche Ausrüstung durch und legten an, was notwendig war. Klettergurt für das Seil, Gamaschen gegen den Schnee – dagegen wurden Eispickel und Steigeisen am bzw. im Rucksack verstaut; weil sie bei unserem „Abstieg“ zur Konkordiahütte nicht gebraucht werden. Stattdessen wählten wir uns zusätzlich ein paar Schneeschuhe aus, die uns aufgrund des Neuschnees der letzten Tage über die ersten Gletscherpassagen helfen sollen.

Mit angelegter Ausrüstung wagten wir uns nach draussen. Der Wind hatte etwas nachgelassen, die Aufregung vertrieb die Kälte. Das Seil wurde angelegt. Ich als Letzter der Gruppe. Ein Bergführer, eine israelische Tochter mit ihren Eltern (alle in den USA lebend) und ein 61-jähriger Mann aus Stans, Zentralschweiz. Und dann ich. Immer im Abstand von je sieben Metern stiefelten wir durch die einsame Eis- und Schneelandschaft, die noch immer von dichtem Nebel umgeben war.

Dann zog es auf. Zuerst war der Himmel zu sehen, dann die Jungfrau. Später verschwanden auch die letzten Wolken aus dem Tal, sodass wir freien Blick auf Konkordiaplatz und -hütte hatten, unserem heutigen Tagesziel hatten. Sensationell. Auch wenn die Wanderung noch etwas andauerte und ich sowohl die Höhe als auch die mir ungewohnten Schneeschuhe in den Beinen spürte, wusste ich bereits jetzt, dass sich der finale Ausblick über den Aletschgletscher lohnen würde.

Aletschgletscher
Der weltberühmte Aletschgletscher, längster Gletscherstrom der Alpen

Anbei noch wichtige Fakten:
Am Konkordiaplatz, an welchem drei grosse Gletscher (Jungfraufirn, Ewigschneefäld, Grosser Aletschfirn) zusammenlaufen, beträgt die Dichte des Eises ca. 900m. Eigentlich wurde die Konkordiahütte 1877 fast direkt oberhalb des Gletscherstroms gebaut. Doch durch den kontinuierlichen Rückgang des Gletschers heisst es aber heutzutage, dass Bergsteiger noch gut 160m über Stahltreppen überwinden müssen. Eine nette Ankündigung am Fuss des Aufstiegs gibt jedoch ausreichend Motivation: „Stairway to Heaven, noch 433 Stufen“.

Konkordiaplatz Junfrau
Konkordiaplatz mit Jungfrau im Hintergrund (rechts)

2. Etappe: Konkordiahütte – Finsteraarhornhütte

Aufgewacht um 6Uhr morgens. Ein Blick aus dem Fenster. Der Schnee war noch da. Die beeindruckende Landschaft mit Konkordiaplatz, Aletschhorn und Jungfrau auch. Unglaublich diese Stille. Keine Tiere, keine Pflanzen – nur ein paar positiv verrückte Menschen, die frühzeitig zur nächsten Hütte oder zum nächsten Gipfel wollen.

So auch wir. Heute stand die erste Etappe mit deutlichen Höhenmetern auf dem Programm. Doch zuerst ging es die 433 Treppenstufen wieder hinab zum Konkordiaplatz. Der Kommentar des Wanderkollegen aus Stans: „Statt Stairway to Heaven ist das jetzt Stairway to Hell.“ Anschliessend seilten wir uns wieder an und stiegen über den Grüneggfirn zur Grünhornlücke auf. Noch ohne Steigeisen unterwegs merkte ich insbesondere unterhalb der Passhöhe, warum Steigeisen durchaus hilfreich werden können. Der sonst griffige Schnee wurde immer mehr von einer Eissicht überzogen, die ein deutliches Auftreten und „Spuren hinterlassen“ mit Bergschuhen allein kaum ermöglicht. Aufgrund der Neigungsgrade der Steigung und auch des immer stärker werdenden Windes, der über die Passhöhe fegte, mussten wir uns nun doch bei jedem Schritt konzentrieren, um nicht wegzurutschen.

Beim Erreichen der Passlücke sahen wir aber, für was sich die Anstrengungen gelohnt haben. Hinter uns liessen wir den mächtigen Konkordiaplatz und den zweithöchsten Gipfel der Berner Alpen, dem Aletschhorn (4193m). Und vor uns ragte die eindrückliche Südwestseite des Finsteraarhorns empor, dem höchsten Berg der Berner Alpen mit 4274m. Spannend war auch die Beschreibung unseres Bergführers, wie das Finsteraarhorn über den Hugisattel und dem Gipfelgrat bestiegen werden kann. Ein Wegrutschen wäre dabei nicht mehr erlaubt, da es auf der anderen Seite doch 1200m fast senkrecht in die Tiefe geht.

Für uns war der Abstieg von der Grünhornlücke glücklicherweise wenig spektakulär, da keine der doch zahlreichen Gletscherspalten wirklich ein Hindernis darstellte. Damit endete unsere 2. Etappe auf der Finsteraarhornhütte zur Mittagszeit. Da ich bereits genug Sonne an diesem Tag gesehen hatte, gönnte ich mir meine kalte Schoggi und meinen Apfelkuchen innerhalb der sehr modernen Hütte.

3. Etappe: Finsteraarhornhütte – Oberaarjochhütte

Der dritte Tag sollte zeitlich die längste Etappe darstellen. Das Finsteraarhorn würden wir auf der Südseite umrunden und dabei Fiescher- und den Galmigletscher überqueren. Nach dem spätem Aufbruch von der Konkordiahütte um 7.45Uhr gingen wir zuerst durch den Fels. Etwas ungewohnt, wenn man zwei Tage fast ausschliesslich auf Eis gewandert ist.

Doch lange liess sich der Gletscher nicht bitten. Bereits kurze Zeit später legten wir Seil und Gamaschen wieder an, Steigeisen blieben einmal mehr im Rucksack. Der folgende Abschnitt jedoch glich nicht den bisherigen eher geradlinigen Schneewanderungen. Durch die Zusammenkunft von Fiescher- und Galmigletscher wurden die ungeheuren Kräften deutlich, die von diesen beiden mächtigen Eismassen erzeugt werden. Aufbrüche und Spaltungen überall. Die Überquerung ähnelt mehr einem Lauf in einem Labyrinth – mit einigen Hindernissen inklusive. Obwohl wir alle angeseilt waren, forderte dieser Spiessrutenlauf doch einiges an Konzentration. Insbesondere der Abstand zum Vordermann war wichtig. Ein zu loses Seil konnte dafür sorgen, dass man mehr Kraft aufwenden muss, falls derjenige doch in eine Spalte einsinkte. Ein zu straffes Seil konnten denjenigen daran hindern, den letzten grossen Schritt bei der Überquerung einer Spalte zu machen. Zugleich musste man selbst aufpassen, die richtigen Schritte zu setzten. Weisser und sauberer Schnee zum Beispiel liess eher darauf schliessen, dass es sich um neuen und somit nicht festem Schnee handelt. Dagegen konnte man sich sicher sein, dass ein Tritt auf eisigem Untergrund immer die richtige Option ist. So spektakulär diese Beschreibung nun klingt, Spass hat es in jedem Fall gemacht. Und beeindruckend war es auch. Nur selten sah man den Boden von einer der vielen Gletscherhöhlen. Eine wilde Landschaft aus Schnee und Eis und etwas Geröll.

Nach einer wohlverdienten Pause unterhalb des Rotlochs (dem Punkt, an dem Fiescher- und Galmigletscher zusammen kommen) erwartete uns nun der Aufstieg zur Oberaarjochhütte. Anders als an den beiden Vortagen mussten wir also für die Ankunft an unserer Hütte entsprechende Höhenmeter überwinden. Der Aufstieg stellte keine technischen Herausforderungen dar. Die Sonne sorgte jedoch dafür, dass wir uns fast alle bis auf die letzte Schicht abziehen konnten. Pausen waren willkommen. Zum Trinken, zum Fotografieren der Nordostflanke des Finsteraarhorns oder auch – und das war etwas sehr Besonderes – zum Bewundern des Panoramas über die Walliser Alpen. Die guten thermischen Bedingungen liessen es zu, dass wir die bekannten Gipfel Dom, Weisssspitze und Matterhorn gestochen scharf bewundern durften (immerhin 70km Luftlinie entfernt). Wow!

Mit diesem Ausblick im Rücken waren die letzten steilen Meter zur höchsten Hütte unserer Tour nur halb so anstrengend. Und auch die letzten Drahtseile und die finale Leiter stellten kein grosses Hindernis mehr dar, bevor wir dann endlich den freien Nachmittag und das traumhafte Panorama geniessen konnten.

Doch die Vorbereitung auf den nächsten Morgen lief bereits…

Walliser Alpen
Sonnenuntergang – die Walliser Alpen wünsche eine gute Nacht

4. Etappe: Oberaarjochhütte – Oberaarsee (via Oberaarhorn)

Montag, 18.7., 4.10Uhr – der Wecker klingelt. Die Nacht war kurz und unruhig. Jeder von uns verspürte etwas Aufregung – vielleicht mit Ausnahme des Bergführers. Nach einem kurzen und kräftigen Frühstück wurde die Ausrüstung angelegt. Vor uns wartete der Aufstieg auf das 3630m hohe Oberaarhorn – Ausblick auf bis zu 24 Viertausender. Und das in der Morgensonne.

Aber zuerst die Arbeit. Der Anstieg begann mit etwas Felskletterei. Das Seil wurde daher kurz genommen. Ich bin mir nicht sicher, wie ich die einzelnen Hindernisse gemeistert habe. Mindestens zwei schwierigere Passagen muss es gegeben haben. Aber entweder war ich zu müde, um mich daran zu erinnern, oder ich befand mich aufgrund hohem Konzentrations- und Adrenalinspiegels in einer Art Trancezustand. Vielleicht war es eine Kombination aus beidem.

Nach ca. 40min erreichten wir dann das Firnfeld des Oberaarhorns. Keine Kletterei mehr, dafür wurden jetzt die Steigeisen angelegt. Von da an ging es gerade nach oben. Der Blick jedoch meistens nach unten gerichtet. Immer mit dem Versuch, den Spuren der Vorderleute als Treppenstufen zu nutzen. Somit bemerkte ich gar nicht, dass wir schon bald den Gipfel erreichten.

Montagmorgen 6.30Uhr, also. Der wohlmöglich beste Wochenstart seit langem. Die Sonne ist mittlerweile vollständig aufgegangen. Das anfängliche Morgenrot schon verschwunden. Neben dem Finsteraarhorn, dem Dom, der Weissspitze und dem Matterhorn gesellen sich mit Schreckhorn und Lauteraarhorn zwei weitere prominente Schweizer Gipfel dazu. Auch der Eiger mit dem Anstieg über Mittellegigrat war nun sichtbar. Die Stimmung unglaublich. Die Freude unter allen Beteiligten deutlich spürbar. Ein Augenblick zum Verweilen.

Der Ausblick fiel dann auch auf den fast 1500m tieferen Oberaarsee – dem heutigen und somit letzten Ziel unserer 4-Tagestour. Der Abstieg bestand uns bevor. Nach gut einer Stunde waren wir wieder an der Hütte. Die restlichen Sachen, welche wir in der Hütte gelassen haben, schnell in den Rucksäcken verstaut, ein letzter Hüttenkaffee oder ein anderes durstlöschendes Getränk und dann ging es hinunter. Fast drei Stunden dauerte der komplette Abstieg ab der Hütte.

Beim jedem Blick nach hinten kamen mir drei Gedanken:

  1. Freude, dass wir nach vier Tagen ausserhalb der Zivilisation und Vegetation doch zurück in die normale Welt kamen.
  2. Wehmut, da es doch ein unglaubliches Abenteuer war, dass ich nicht nur nicht missen sondern auch gern wieder erleben möchte.
  3. Erleichterung, denn der Anblick des schier endlosen Aufstiegs zum Oberaarjoch liess mich vermuten, dass die Berner Haute Route auf dem beschriebenen Weg die besser Alternative war.
Oberaarjoch und Oberaarhorn
Oberaarjoch und Oberaarhorn

Fazit

  • Von 3545m (Jungfraujoch) auf 2303m (Oberaarsee).
  • Von -9°C auf +21°C.
  • Über 35km gewandert.
  • Dabei 1800hm überwunden.
  • Mit 5 anderen Leuten am Seil.
  • Davon 1 Bergführer.
  • In 3 verschiedene Hütten übernachtet.
  • Ingesamt 6 Gletscher überquert.
  • Und 1 Gipfel bestiegen.
  • Zig Viertausender der Alpen bestaunt.

Die Tour war der Wahnsinn und ein traumhaftes Erlebnis. Ich denke, ich muss mich dabei nicht weiter wiederholen. Ich möchte jedoch drei Punkte erwähnen, die bei der Wahl einer Gletschertour bedacht werden müssen.

  • Gletscher sind wie riesige, zugefrorene Flüsse, die endlos werden können, wenn man darauf wandert – ganz ähnlich endloser Talschlusswanderungen, auf welchen man am Morgen bereits sieht, wo man 4 Stunden später seine Brotzeit einnehmen wird.
  • Die Landschaft aus Schnee und Eis mit dem Ausblick auf viele Viertausender ist eine Landschaft aus Schnee und Eis. Und vielleicht noch Fels. Vegetation Fehlanzeige, Tiere Fehlanzeige. Vielleicht verirrt sich ein Schmetterling oder eine Dole in die Nähe. Ansonsten sieht man mehrere Tage kein Grün und kein anderes Lebewesen als eben die positiv verrückten Bergsteiger.
  • Vier Tage lang ist man mit einer Wandergruppe zusammen. Eine Gruppe, die man vielleicht vorher nicht kennt. Und einen Bergführer, den man vorher nicht kennt. Man verbringt jede Minute auf engstem Raum. Ist sogar fast die ganze Zeit angeseilt. Die Charaktere müssen stimmen, dass muss man sich bewusst sein. Ich hatte mit dem Bergführer und mit meinen Begleitern in jedem Fall Glück.

Wie auch mit der Wahl für die „Berner Haute Route“.